Olivers Filmwelten

Aus Leidenschaft zum Film


„The Death of Snow White“

USA, 2025

Bewertung: 2.5 von 5.

Wenn es eine Kunstform gibt, die mich in meinem Leben noch deutlich länger fasziniert und begleitet hat als Filme, dann sind es Märchen, angefangen bei Büchern, von denen ich kleine aber feine Auswahl an vorzugsweise illustrierten Exemplaren im Schrank stehen habe, und dann später Märchenfilmen, seien es die tschechischen Klassiker wie „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ und „Frau Holle“ oder moderne Interpretationen wie die beiden Filmreihen „Sechs auf einen Streich“ der ARD und „Märchenperlen“ des ZDF, in denen sich tatsächlich die eine oder andere Perle versteckt.
The Death of Snow White“ wird als Horror-Märchen vermarktet, braucht aber leider einige Zeit bis es diesem Anspruch ansatzweise gerecht wird.
Die erste halbe Stunde (abgesehen von einer kurzen Eröffnungssequenz) wirkt als wäre sie auf einer Renaissance Fair, dem englisch-amerikanischen Gegenstück zu unseren Mittelaltermärkten, gedreht worden, was angesichts des geringen Budgets des Films wahrscheinlich sogar stimmt.
Erst wenn Snow White in den Dunklen Wald flieht, kommt so etwas wie Atmosphäre auf und Kameramann Kody Newton gelingen hier einige wirklich stimmungsvolle Aufnahmen. Auch klar wird ab diesem Zeitpunkt, wohin der Großteil des Budgets geflossen ist, den man zuvor bei Ausstattung und leider auch Kostümen eingespart hat: in die Spezial- oder besser gesagt Splattereffekte, die im Gegensatz zum Rest des Films extrem professionell wirken, was jedoch angesichts der Tatsache, dass der Regisseur Jason Brooks ursprünglich aus dem SFX-Metier kommt, wenig überrascht.
Von den Darsteller*innen bleiben neben Chelsea Edmundson als Böse Königin vor allem die Zwerg*innen in Erinnerung. Ja, ihr habt richtig gelesen, die berühmten 7 Zwerge sind hier nicht länger ein rein männlicher Bergarbeitertrupp, sondern eine Gruppe von Auftragsmörder*innen mit speziellen Talenten. Und auch wenn das Drehbuch den kleinwüchsigen Darsteller*innen nicht viel Raum zur individuellen Charakterentwicklung bietet, sind es gerade Risa Mei, die ansonsten hauptsächlich als Voice-Actress für Videospiele wie „Genshin Impact“ und Anime-Serien wie „Digimon“ arbeitet, und Ali Chapman, die hier hervorstechen.
Die Reels im Abspann zeigen wie viel Spaß alle Beteiligten an diesem Independent-Film hatten. Wieviel sich jedoch davon auf die Zuschauenden überträgt, hängt wohl auch von der eigenen Erwartungshaltung ab. Mir waren die wirklich beeindruckenden und wirkungsvoll eingesetzten Spezialeffekte sowie die hin- und wieder sehr stimmungsvolle Kameraarbeit dann insgesamt doch zu wenig, verliert der Film doch gerade durch den enormen Qualitätsunterschied zwischen den verschiedenen Storyelementen leider ganz erheblich an Wirkung.



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