Olivers Filmwelten

Aus Leidenschaft zum Film


„Project Hail Mary“ / „Der Astronaut“

USA, 2026

Bewertung: 4.5 von 5.

Manchmal muss ich offensichtlich zu meinem Glück gezwungen werden. Hätte ich nicht mit einer Magenverstimmung flach gelegen, wäre ich dieses Wochenende definitiv nicht auf die Idee gekommen, mir mitten in der Nacht „Project Hail Mary“ anzuschauen, interessierte mich der Film doch eigentlich so überhaupt nicht.
Der Marsianer„, die vorangegangene Verfilmung eines Buches von Andy Weir fand ich gelinge gesagt unerträglich, die bisherigen Real-Filme des Regie-Duos Phil Lord und Chris Miller („21 + 22 Jump Street„) ebenso und bei Ryan Goslin breche ich auch nicht grundsätzlich in Begeisterungs-stürme aus.
Ein Mann erwacht aus einem induzierten Koma und findet sich an Bord eines Raumschiffes wieder. Der Rest der Besatzung ist tot und erst langsam kehrt seine Erinnerung zurück. Er befindet sich auf einer Mission, bei der es um nichts geringeres als den Fortbestand der Erde geht. Doch schon bald soll er unerwartete Hilfe bekommen, von einem kleinen Außerirdischen in Felsenform.
Drehbuchautor Drew Goddard erzählt die Geschichte ohne Pathos, aber dafür mit einer ordentlichen Prise Humor und Herz, während wir in Rückblenden die Vorgeschichte der Mission erfahren. Dabei gelingt ihm die Balance aus Wortwitz, Slapstick, ernsten und ergreifenden Charaktermomenten und spannenden Actionsequenzen über die zweieinhalb Stunden nahezu perfekt.
Kameramann Greig Fraser („Dune I+II„) darf dazu teils atemberaubend schöne Bilder zaubern, während die sphärische Musik von Daniel Pemberton es gekonnt vermeidet in kitschige oder pathetische Gefilde abzugleiten.
So entsteht ein großartiger Feel-Good-Film, mit einem sympathisch aufspielenden Ryan Gosling, Sandra Hüller in einer Nebenrolle, in der sie es versteht, mit wenigen Blicken Akzente zu setzen, einem tollen Außerirdischen, der sich trotz fehlenden Gesichts nur über Gesten und Geräusche seinen Weg tief in die Herzen des Publikums sucht und einer mutmachenden Geschichte über eine ungewöhnliche Freundschaft, die nach Gemeinsamkeiten sucht und sich nicht mit Unterschieden aufhält. Vielleicht ist gerade das die Botschaft, die wir zur Zeit alle brauchen.
Nach der Enttäuschung über „Dust Bunny„, auf den ich mich sehr gefreut hatte, wurde „Project Hail Mary“ für mich zur positiven Überraschung, für die ich eine unbedingte Sehempfehlung aussprechen möchte.



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