Olivers Filmwelten

Aus Leidenschaft zum Film


„Where the Devil Roams“

USA, 2023

Bewertung: 4.5 von 5.

Endlich ist es mir mal wieder gelungen, einen Film meiner Lieblings-Independent-Filmemacher*innen, der Adams Family, in die Hände zu bekommen. Bestehend aus den Eltern John Adams und Toby Poser sowie den beiden Töchtern Zelda und Lulu Adams drehen sie nun schon seit etlichen Jahren mit großer Regelmäßigkeit und ebensolcher Kunstfertigkeit kleine Horror-Kleinode, wobei sie von der Regie über Drehbuch und Kamera bis zur Musik und natürlich den Hauptrollen alles selbst machen.
Leider sind ihre Werke jedoch außerhalb der USA so gut wie nicht zu bekommen, nur „Hellbender“ ist hierzulande erschienen, aber auch jenseits des Atlantiks sind physische Veröffentlichungen ihres Schaffens eher die Ausnahme. Umso glücklicher war ich als im Shop von Vinegar Syndrome ihren 2023 entstandenen „Where the Devil Roams“ auf Blu-ray entdeckte.
Der Film über eine Familie, die während der großen Depression mit einem Wanderzirkus durch die USA reist, dürfte ihre bis dahin ambitionierteste und aufwändigste Schöpfung sein.
Seven, ein ehemaliger Militärarzt mit posttraumatischer Belastungsstörung, seine Frau Maggie und die gemeinsame Tochter Eve, die zwar wunderbar singen aber ansonsten nicht sprechen kann, treten mit einer Gesangs- und Tanzperformance in dem kleinen Wanderzirkus auf, gegen die Darbietung des Zauberers Mr. Tipps (Sam Rodd), der sich auf der Bühne mit einer großen Schere die Finger abschneidet, kommen sie damit jedoch nicht an. Bis Eve hinter das Geheimnis des Magiers kommt…
In abwechselnd klaren, kalten Farbbildern und grobkörnigen Schwarzweiß-Bildern und untermalt von den treibenden bis bedrohlichen Klängen der familieneigenen Metalband H6LLB6ND6R erzählen die Adams eine ebenso düstere wie originelle Geschichte um Familienzusammenhalt, abgetrennte Körperteile und finstere Geheimnisse, gespickt mit wunderbar handgemachten Effekten und dem für sie typischen tiefschwarzen Humor.
Der ätherisch-verträumte Kurzfilm „Ever“ von 2019, ein Making-of und ein informatives Booklet, in dem die renommierte Filmwissenschaftlerin Alexandra Heller-Nicholas „Where the Devil Roams“ genrehistorisch einordnet, ergänzen die lohnende Veröffentlichung von Yellow Veil Pictures, die allerdings wegen des Regionalcodes A nur auf amerikanischen oder code-freien Playern läuft.



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