Olivers Filmwelten

Aus Leidenschaft zum Film


„The Life of Chuck“

USA, 2024

Bewertung: 3 von 5.

The Life of Chuck“ ist die Verfilmung der gleichnamigen Kurzgeschichte von Stephen King und es ist ausnahmsweise mal kein Horrorfilm trotz Mike Flanagan auf dem Regiestuhl.
Erzählt wird die Geschichte des Buchhalters Charles „Chuck“ Krantz (gespielt von Tom Hiddleston), wobei er zu Beginn des Films erstmal gar nicht vorkommt (und kurz darauf stirbt). Zudem ist die Erzählung in drei Kapitel unterteilt, die unterschiedliche Phasen oder Momente aus Chucks Leben zeigen, und zwar in umgekehrt chronologischer Reihenfolge.
Zentral sind dabei zwei Dinge, zum einen das Gedicht „Song of Myself“ des großen amerikanischen Poeten Walt Whitman und zum anderen Chucks Liebe zum Tanz.
I contain multitudes.“, heißt es in der wohl berühmtesten Textzeile aus dem in seiner Sammlung „Leaves of Grass“ zu findenden Gedicht, die im Film auch zitiert wird. Aus dem Ideenkosmos hinter diesen Worten, die zentral sind für Whitmans Menschen- und Weltbild, greifen sich King und mit ihm der Film eine bestimmte Idee heraus und zwar die, dass jede*r Mensch mehr sei als bloß das eigene Sein, nämlich zugleich auch alle Menschen, die eins je getroffen habe.
Für Whitman waren diese „Vielheiten„, wie sie in der deutschen Übersetzung heißen, neben der Vorstellung einer universellen, kosmischen Einheit, aber vor allem auch Ausdruck für die Komplexität und damit einhergehende Widersprüchlichkeit des menschlichen Denkens, Handelns und Lebens.
Geschichte und Film reduzieren diese multidimensionale Widersprüchlichkeit auf das Gegensatzpaar Buchhalter vs. Tanz, Beruf vs. Hobby, Zwang vs. Freiheit, Zweck vs. Lust.
Der Tanz soll dabei der Ausdruck für die Lebensfreude im Bewusstsein der Sterblichkeit sein („I celebrate myself“ sind die ersten Worte aus Whitmans Gedicht), aber gerade dieser Funke ist bei mir im Film nicht übergesprungen.
Die Tänze sind toll choreografiert und getanzt, aber für mich fehlte ihnen die Spontanität und Unberechenbarkeit, die sie eigentlich zeigen sollten.
Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich das Lied und den Tanz, die meine Lebensfreude feiern, schon vor langer Zeit gefunden habe, nämlich in Gene Kellys Tanz durch den Regen zu „Singing in the Rain“ im gleichnamigen Film von 1952.
Und gegen ein ewiges Lieblingsmusical anzutanzen, ist wohl eben so zum Scheitern verurteilt wie der Versuch, die Komplexität der drei einfachen Worte „I contain multitudes“ in 111 Minuten erfassen zu wollen.



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