USA, 1995
Da hatte ich doch glatt bei meiner Vampirfilm-Liste einen meiner Lieblingsfilme des Genres vergessen: „The Addiction“ von Abel Ferrara.
Also habe ich ihn nachgetragen und zur Strafe direkt nochmal geguckt; die von Arrow Films herausgegebene 4K-Fassung lag ohnehin schon viel zu lange auf meinem Watch-It-Again-Stapel.
„Wanna go some place dark?“, fragt der von Christopher Walken gespielte Vampir Peina an einer Stelle die Protagonistin Kathleen, doch zu diesem Zeitpunkt hat Abel Ferrara sie und sein Publikum längst an die dunkelsten Orte der menschlichen Existenz geführt, beginnt der Film doch (ohne vorher zu fragen) mit Bildern des Holocaust und des My Lai Massakers (von US-Truppen im Vietnamkrieg begangenes Kriegsverbrechen), die Teil einer Vorlesung von Kathleens Philosophiestudium sind.
So ist denn auch die Frage nach der Herkunft des Bösen ein zentrales Thema des Films, Sucht ein weiteres, war Ferrara selbst doch jahrelang heroinabhängig.
Dazu passend entmystifiziert der Regisseur das Vampirbild, Kathleens Vampirwerdung durch den weiblichen Vampir Casanova in einem Kellereingang ist mehr Vergewaltigung als Verführung und ihr anschließendes Vampirdasein mehr Sucht als Freiheit.
Der Vampir wird bei Ferrara zum Sinnbild der Ansteckungsgefahr und Sogwirkung des Bösen als Massenphänomen bei gleichzeitiger Abhängigkeit und Willenlosigkeit des Einzelnen, der diese aber selbst als Allmacht empfindet und darüber seine Menschlichkeit aufgibt.
Die wunderbare Lili Taylor („Dogfight„) verkörpert alle Stadien von Kathleens Verwandlung mit schmerzvoller Intensität, während Christopher Walken und Annabella Sciorra jeweils kurz vorbeischauen und ihr Charisma spielen lassen.
Die von Arrow Films veröffentlichte 4K-Restauration lässt die kontrastreichen Schwarzweiß-Bilder von Kameramann Ken Kelsch in all ihrer düsteren Pracht und Schönheit erstrahlen und nach dem Film warten, wie bei Arrow üblich, aufschlussreiche Extras auf das geneigte Publikum.

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