Australien, 2016
Es gibt diese Filme, die einen vom ersten Augenblick an in ihren Bann ziehen. „Hounds of Love„, der Debütfilm des australischen Regisseurs und Drehbuchautors Ben Young, ist ein solcher.
Die in extremer Zeitlupe wie eingefroren wirkenden Bilder von ballspielenden Mädchen, die von einem im Auto sitzenden Mann dabei beobachtet werden, erzeugen bereits ein Gefühl des Unbehagens, das den ganzen Film über anhalten wird, woran die eindringliche Kameraarbeit von Michael McDermott einen nicht unerheblichen Anteil hat.
Die 17jährige Vicky leidet unter der Trennung ihrer Eltern und nach einem Streit mit ihrer Mutter, der sie die Schuld daran gibt, reißt sie von zu Hause aus, um zu einer Party zu gehen. Unterwegs steigt sie in das Auto des Ehepaars John und Evelyn White, nicht ahnend, was wir als Publikum zu diesem Zeitpunkt schon wissen: die beiden sind Serienmörder.
Ben Young konzentriert sich bei der Erzählung der Geschichte ganz auf die psychologischen Aspekte. Im Vordergrund stehen die drei Personen und ihre Verhältnisse zu einander, insbesondere auch das Machtverhältnis innerhalb der Beziehung von John und Evelyn.
Auf unmittelbare bildliche Gewaltdarstellung verzichtet er dabei weitestgehend, nichtsdestotrotz gelingt ihm einer der intensivsten und erschreckendsten Filme, die ich seit langer Zeit gesehen habe.
Wir alle wissen, dass dort furchtbare Dinge geschehen, dazu müssen wir sie nicht sehen. Manches hören wir nur, wie z.B. die Szene, in der John seine Wut am Haushund auslässt, in anderen Szenen werden die Geräusche nach kurzer Zeit bewusst von einigen der schönsten Lieder der 1970er Jahre („Nights in White Satin“, „Lady D′Arbanville“) überdeckt, wie überhaupt der Soundtrack wunderbar stimmig ausgewählt ist.
Emma Booth (mit der Young auch in seinen anderen Filmen „Extinction“ und „Devil’s Peak“ zusammengearbeitet hat) und Stephen Curry sind beängstigend als Killer-Pärchen, gerade weil sie so glaubwürdig sind und eben nicht die klischeehaften Serienkiller aus anderen Genrefilmen, und Ashleigh Cummings ist schlichtweg brillant als Vicki, die aber nicht nur Opfer sein darf, sondern eine intelligente junge Frau ist, die langsam versucht Evelyn auf ihre Seite zu ziehen.
Ben Young ist mit seinem Debüt „Hounds of Love“ einer der intelligentesten und spannendsten Psycho-Thriller zum Thema Serienmörder überhaupt gelungen, gerade weil er sich Genre-Konventionen so konsequent verweigert, und sein Schrecken nicht im vordergründigen Abbilden von Grausamkeiten liegt, sondern im schonungslosen Blick in menschliche psychologische Abgründe.

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