USA, Großbritannien, 2024
Edward Bergers „Konklave“ hat mich gleich in mehrfacher Hinsicht überrascht, fand ich doch seine zwei Jahre zuvor entstandene Neuverfilmung von „Im Westen nichts Neues“ ganz schrecklich inhalts- und charakterleer, was er mit unerträglichem Getöse zu überdecken suchte.
„Konklave“ ist auf so vielen Ebenen das genaue Gegenteil davon, ungemein konzentriert in der Erzählung und doch zugleich vielschichtig, funktioniert er doch als Verschwörungsthriller, Charakterstudie und Kirchen- und Gesellschaftskritik.
Nach dem überraschenden Tod des Papstes sieht sich der britische Kardinal Thomas Lawrence der Aufgabe gegenüber, als Dekan die Konklave zur Wahl des nächsten Kirchenoberhauptes zu leiten. Unter den vier Hauptkandidaten entbrennt ein Machtkampf um die Nachfolge, in dem nicht nur mit lauteren Mitteln gekämpft wird.
Dreh-, Angel- und Ruhepunkt des Films ist Ralph Fiennes als Dekan, ihm gegenüber stehen Stanley Tucci als progressiver Kardinal Bellini und John Lithgow als konservativer Kardinal Tremblay. Zudem hat Drehbuchautor Peter Straughan das strikte Männergespann des Romans aufgebrochen und der Rolle der Schwester Agnes, die sich mit den anderen Nonnen um die Betreuung der Kardinäle kümmert, eine zentrale Bedeutung für die Handlung gegeben, einnehmend dargestellt von der großen Isabella Rossellini („Blue Velvet„).
Die Arbeit des Kameramannes Stéphane Fontaine unterstreicht dabei die ruhige Erzählweise des Films, dessen Fluss immer wieder zum Stillstand kommt, um den Bildkompositionen des Franzosen Raum zu geben.
Ich möchte „Konklave“ gerade auch jenen Zuschauer*innen empfehlen, die ansonsten eher wenig Affinität zu religiösen Themen haben, ist der Machtkampf der Kardinäle doch auch ein Spiegel allgemeiner gesellschaftlicher Dynamiken und überrascht mit einem überaus interessanten Schlusspunkt.

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