Belgien, Frankreich, Niederlande, 2026
Neben der Schule hilft der Oberstufenschüler Alec seinem Vater Dylan bei dessen Home-Porno-Business als Kameramann. Als er mit seiner feministisch eingestellten Klassenkameradin Nina ein Referat über Porno-Sucht halten sollten, bekommt er langsam einen anderen Blick auf das Geschäftsmodell seines Vaters, aber auch auf Sexualität an sich.
Der Debütfilm der Regisseurin Muriel d’Ansembourg ist Coming-of-Age-Geschichte und Liebesfilm, Sozialdrama und Pornokritik, aufklärerisch, zärtlich, witzig und provokant zugleich.
Dass der Film trotz seiner männlichen Hauptfigur eine stark weiblich-feministische Sicht auf seine Themen hat, brachte ihm insbesondere von männlichen Filmkritikern den Vorwurf ein, zu erzieherisch sein zu wollen und die Komplexität des Themas auf den Standard-Vorwurf „Patriachat“ zu verkürzen.
Wer nach einer tiefgehenden Auseinandersetzung mit der Porno-Industrie sucht, ist bei „Pleasure“ von Ninja Thyberg sicherlich besser aufgehoben, für d’Ansembourg steht viel mehr die Frage nach den Folgen von Pornokonsum und das daraus entstehende Verständnis von Sexualität im Vordergrund. Und den Gegensatz zwischen einer objektifizierenden, rein konsumierenden und somit auch egoistischen Sexualität des Betrachtens und der des gegenseitigen Berührens und Fühlens macht sie durchaus gekonnt und mitunter auch charmant auf. Ich persönlich hätte mir an der Stelle jedoch noch die Frage nach der Möglichkeit einer respektvollen Sexualität des (gegenseitigen) Betrachtens gewünscht und dafür andere Dinge weggelassen.
Aber nicht nur Alec lernt aus seiner Beziehung zu Nina, auch Nina bekommt durch den Kontakt zu der Pornodarstellerin Lizzie, die nebenbei feministische T-Shirts designt, auf denen sie misogyne Begriffe und Sprüche aus ihrem Business für sich reclaimt, einen anderen Blickwinkel aufgezeigt.
Der Film mag seine Schwächen und Fehler haben, ich finde z.B. die gesamte Oktopus-Geschichte etwas drüber, aber die Stärken überwiegen meiner Meinung nach, und die größte ist das natürliche Spiel seiner beiden sympathischen Hauptdarsteller*innen.
Die Chemie zwischen Caolán O’Gorman als Alec und Safiya Benaddi als Nina ist einfach großartig und trägt mit ihrer Glaubwürdigkeit den Film auch über seine Unebenheiten hinweg. Aber auch Andrew Howard als Alecs Vater und die echte Pornodarstellerin Alessa Savage als Lizzie, deren Figuren komplexer sein dürfen, als es auf den ersten Blick den Anschein hat, machen ihre Sache verdammt gut.
Herausgekommen ist auf jeden Fall ein Film, der sich seinen Themen mit der nötigen Unverkrampftheit nähert und mit seinem streng feministischen Blickwinkel gerade sein männliches Publikum vor Herausforderungen stellen mag, der aber trotz seines für meinen Geschmack etwas zu dualistisch ausgeprägten Ansatzes immerhin richtige Fragen stellt. Und vielleicht liegen die Antworten darauf ja auch hinter dem geschickt offen gelassenen Ende.

Schreibe einen Kommentar