Japan, 1989
Der vorliegende Text entstand ursprünglich 2021.
„Violent Cop“ aus dem Jahr 1989 ist das Regiedebüt von Takeshi „Beat“ Kitano, der bis dahin eher als Standup-Komiker und Gastgeber der Spielshow „Takeshi’s Castle“ bekannt war. Kitano sollte ursprünglich die Hauptrolle in einem Film von Kinji Fukasaku („Graveyard of Honor„, „Battle Royale„) spielen. Als die beiden sich jedoch zerstritten und Fukasaku ausstieg, übernahm Kitano die Position des Regisseurs, schrieb das Drehbuch um und schuf anstelle der geplanten Actionkomödie einen zutiefst nihilistischen Polizei-Thriller, dessen radikale Gewaltdarstellungen viele Kritiker schockierten.
In Deutschland wurde er erst 1998 nach dem großen Erfolg von „Hana-Bi“ (bis heute mein Lieblings-Kitano) veröffentlicht und ich kann mich noch gut erinnern, dass ich damals recht wenig mit dem Film anfangen konnte. Zu sperrig und zu kalt war er mir seinerzeit.
Die vom British Film Institute veröffentlichte „Takeshi Kitano Box“ mit seinen drei frühen Filmen „Violent Cop„, „Boiling Point“ und „Sonatine“ auf Bluray ermöglichte mir nun die Neuentdeckung dieses Films. (Die deutsche DVD-Box dieser drei Filme von Rapid Eye Movies ist schon lange out of print.)
„Violent Cop“ wird oft als sich zuspitzende Gewaltspirale beschrieben, zugleich zeichnet Kitano aber auch einen Kreislauf der Gewalt.
Der Film beginnt mit einer Szene, in der Jugendliche einen Obdachlosen mit Tritten misshandeln. Kitanos Figur, der Polizist Azuma folgt einem der Jugendlichen nach Hause, verschafft sich Zutritt und prügelt und tritt den Jungen erstmal durch dessen Zimmer.
Später lässt der Regisseur Kinder Zeuge von Gewalt werden, ähnlich wie es Sam Peckinpah z.B. auch in „The Wild Bunch“ getan hat.
Die Bilder sind oft von großer Leere, insbesondere weißen Flächen geprägt, was Kitano dann in der entscheidenden Szene gegen Schluss des Films mit einer Einstellung völliger Dunkelheit kontrastiert.
Die Kamera von Yasushi Sasakibara bewegt sich, wenn sie es denn tut, mit der gleichen stoischen Ruhe wie die Hauptfigur des Films. Kitanos minimalistische Mimik fügt sich hier perfekt ein, im Gegensatz zu den harten Antihelden des amerikanischen Films wie zum Beispiel Dirty Harry umweht ihn dabei aber immer eine gewisse Melancholie.
Passend dazu durchzieht ein an den Film Noir erinnerndes Saxophonthema den Soundtrack.
Sehenswertes, stilistisch schon sehr interessantes Debüt eines der eigenwilligsten japanischen Filmemachers.

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