USA, 1991
„Point Break“ war damals der Film, durch den ich auf Kathryn Bigelow als Regisseurin aufmerksam wurde. „Blue Steel“ und „Near Dark“ habe ich dann erst im Nachgang für mich entdeckt, ihr Debüt „The Loveless“ sogar erst vor ein paar Jahren, weil er vorher praktisch nicht zu kriegen war.
Der junge FBI Agent Johnny Utah (Keanu Reeves) schleust sich auf der Suche nach als amerikanischen Ex-Präsidenten verkleideten Bankräubern in eine Surfergang ein.
Gerade rückblickend und im Vergleich zu den anderen genannten Filmen fällt schon auf, dass sie hier nicht am Drehbuch beteiligt war, gerade an der Figur der Surferin Tyler, die für einen Love-Interest zu dieser Zeit zwar schon mit erstaunlich viel Charakterisierung ausgestattet und von Lori Petty („Tank Girl„) grandios verkörpert wurde, aber am Ende eben doch als Damsel-in-Distress herhalten muss.
Ansonsten ist Bigelows Stil jedoch unverkennbar, großartige Bilder (hier von Kameramann Donald Petermann), mit wenigen Strichen hingeworfene Charaktere, die durch sorgsam ausgewählte Schauspieler*innen zum Leben erweckt werden, verschwimmende Grenzen zwischen Gut und Böse, zwischen Moral, Freundschaft und Liebe, sowie knackig inszenierte Action- und Gewalteinlagen.
Patrick Swayze als Surfer Bodhi (dessen Name nicht von ungefähr fast wie Buddha klingt) und Gary Busey als FBI-Agent Angelo Pappas geben hier neben dem jungen Keanu Reeves sicherlich je eine der besten Vorstellungen ihrer Karriere ab, und Tom Sizemore darf als Undercover-Agent ebenso mal vorbeischauen wie die Red Hot Chili Peppers als Surfergang.
Zweimal wurde bisher vergeblich versucht, die Stimmung des Originals in Neuverfilmungen (2001 und 2015) zu erreichen, wobei beim ersten Mal das Geschehen von der Surfer- in die illegale Autorennszene verlegt und damit der Startpunkt für eines der erfolgreichsten Actionfranchises des 2000er geschaffen wurde: The Fast and the Furious.
Von der zweiten Neuverfilmung ist bereits der Umstand, dass sie existiert, mehr als eins über den Film wissen muss.
Das Bild der vor gut zwei Jahren veröffentlichten 4K-Restaurierung bietet ein detailreiches Bild, natürliches Filmkorn, erscheint mir jedoch stellenweise seltsam dunkel, ohne in diesen Szenen vom höheren Kontrastumfang profitieren zu können.
Nichtsdestotrotz lohnt sich die Wiederentdeckung dieses Klassikers des Actionkinos, der heute wie damals (trotz kleiner Schwächen) hervorragend zu unterhalten weiß.

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