Olivers Filmwelten

Aus Leidenschaft zum Film


„Schamlos“

Österreich, 1968

Bewertung: 3.5 von 5.

Der 20jährige Alexander Pohlmann hat kein Interesse daran, die Zirkustradition seiner Familie fortzuführen, erscheint ihm doch die zwielichtige Unterwelt Frankfurts der bessere Ort, um an das schnelle Geld zu kommen. Mit seiner Skrupellosigkeit, mit er bei Schutzgelderpressungen und Prostitution vorgeht, aber auch seinem Charisma macht sich der Junggauner alsbald einen Namen und gerät so in das Visier des Gangsterbosses Kowalski. Als die junge Tänzerin Annabella tot aufgefunden wird und ihr Vater Alexander bittet, ihm ihren Mörder zu bringen, beginnt eine Spirale der Gewalt…
Drei Jahre nach seinem Debütfilm „Geißel des Fleisches“ brachte Eddy Saller, der sich erneut für Regie und Drehbuch verantwortlich zeigte, seinen zweiten Film „Schamlos“ in die österreichischen Kinos und fast scheint es, als wäre er eine Trotzreaktion auf die damals überwiegend negativen Kritiken zu seinem Erstling. Frei nach dem Motto „Jetzt erst recht!“ gibt es in „Schamlos“ erneut Sex und Gewalt, aber an die Stelle der fast dokumentarischen Stimmung des Vorgängers treten Drive und Coolness, nahezu perfekt verkörpert von dem damals noch unbekannten Udo Kier in seiner ersten Hauptrolle.
Er ist es dann auch, in stets unterkühlten Schwarzweißbilder eingefangen von Kameramann Walter Partsch, der den mit zahlreichen Rückblenden erzählten Film über Dialog- und Drehbuchschwächen hinwegträgt und auch heute noch sehenswert macht. Der Berliner Nachtclubbesitzer Rolf Eden spielt in der Figur der Unterweltgröße Kowalski sein eigenes Evil-Alter-Ego und Vladimir Medar, der dem deutschen Publikum durch seine zahlreichen humoristischen Nebenrollen in den Karl-May-Filmen bekannt vorkommen dürfte, zeigt hier, dass er auch ernstere Charaktere verkörpern konnte. Für Marina Paal, die Darstellerin der Annabella, sollte dies die einzige größere Filmrolle bleiben.
Zeitgleich mit „Geißel des Fleisches“ wurde „Schamlos“ nun vom Label „Subkultur Entertainment“ in einer schön restaurierten Fassung auf Blu-ray veröffentlicht, mit das Hinabtauchen in die fast vergessene österreichische Exploitation-Vergangenheit eine Menge Spaß macht.



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