Olivers Filmwelten

Aus Leidenschaft zum Film


„Geißel des Fleisches“

Österreich, 1965

Bewertung: 3.5 von 5.

Im Jahr 1963 wurde eine Ballettschülerin der Wiener Staatsoper erstochen und ihr Mörder nach erneuten Messerangriffen auf junge Frauen kurze Zeit später gefasst und verurteilt.
Dieser, in der österreichischen Boulevardpresse als „Opernmörder“ bekannt gewordenen Fall, diente dem Regisseur und Drehbuchautor Eddy Saller als Vorbild für die Figur des Triebtäters Alexander Jablonsky in seinem nur zwei Jahre später entstandenen Spielfilmdebüt „Geißel des Fleisches„, dem ersten österreichischen Exploitationfilm.
Nach einer einführenden Texttafel, laut der es dem Film darum ginge, die soziokulturellen Ursachen für die Tat, insbesondere die Übersexualisierung der Gesellschaft, herausarbeiten zu wollen, werden wir als Publikum alsbald Zeugen des Mordes an der Ballettschülerin Eva, nicht ohne ihr und ihren Kolleginnen vorher noch beim Duschen zusehen zu dürfen.
Bereits in dieser Szene bricht Saller mit der unverblümten Darstellung von Nacktheit und Gewalt damalige gesellschaftliche wie filmische Tabus, was ihm von der vorwiegend konservativen zeitgenössischen Kritik den Vorwurf der Heuchelei und Schaulust und das Qualitätsurteil „Schund“ einbrachte.
Dabei weiß der Film, trotz produktionstechnischer Unzulänglichkeiten wie z.B. einer teilweise asynchronen Synchronisation der wienerisch sprechenden Darsteller*innen, in inszenatorischer und schauspielerischer Hinsicht durchaus zu gefallen.
Die originelle Kameraarbeit von Hanns König, deren Schwarzweißbilder immer wieder in die Ich-Perspektive des Mörders wechseln, und die außerhalb der Mordszenen nüchterne Inszenierung, die Pulp-Anleihen, wie sie sich in den zeitgleich in Deutschland entstandenen Edgar-Wallace-Filmen finden, bewusst vermeidet, schaffen eine ganz eigene Atmosphäre, in der Sallers langjährige Erfahrung als Dokumentarfilmer durchscheint.
Die Rolle des Alexander Jablonsky füllt Charakterkopf Herbert Fux in seiner ersten Hauptrolle mit der für ihn typischen Präsenz aus. Neben dem Wiener Burgschauspieler Hanns Obonya als Verteidiger sind ansonsten hauptsächlich damals noch unbekannte Darsteller*innen, unter ihnen Edith Leyrer als Kriminalbeamtin Marianne Körner, und in den entsprechenden Rollen auch echte Models bzw. Striptease-Tänzerinnen zu sehen.
Diese österreichische filmhistorische Kuriosität wurde jüngst vom Label „Subkultur Entertainment“ in einer schön restaurierten Fassung auf Blu-ray veröffentlicht, ebenso wie Sallers drei Jahre später gedrehter „Schamlos“ mit Udo Kier als Jung-Gangster, der jetzt gleich noch in meinen Player wandert.



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