Olivers Filmwelten

Aus Leidenschaft zum Film


„Polizeiruf 110: Little Boxes“

Deutschland, 2023

Bewertung: 1.5 von 5.

Nachdem mich Jan Speckenbachs „Freiheit“ daran erinnert hatte, was für eine großartige Schauspielerin Johanna Wokalek doch ist, und ich bei meinen Recherchen darauf gestoßen war, dass sie seit 2023 als Kriminalhauptkommissarin Cris Blohm beim vom Bayerischen Rundfunk produzierten „Polizeiruf 110“ ermittelt, hatte ich den Entschluss gefasst, mir ihre dortigen Auftritte einmal anzusehen, zumal die meisten davon in der ARD-Mediathek verfügbar sind.
Leider erwies sich „Little Boxes“ von Regisseur Dror Zahavi als überaus unwürdiger Einstand.
Nach einem längeren Auslandseinsatz kehrt die Kriminalhaupt-kommissarin Cris Blohm nach München zurück, wo sie als erste Amtshandlung an einem Fotoshooting für Diversität bei der Münchener Polizei teilnehmen muss, nur um anschließend noch mit dem Fakt konfrontiert zu werden, dass sie für ihren nächsten Fall nicht mit ihrem ehemaligen Partner Dennis Eden, sondern dem Schwarzen Kriminaloberkommissar Otto Ikwuakwu zusammenarbeiten soll.
Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter des Universitäts-Instituts für Postcolonial Studies ist nackt und tot aufgefunden worden, mit dem Wort „Rapist“ auf dem Rücken. Bei ihren Ermittlungen im persönlichen und wissenschaftlichen Umfeld des Toten stoßen die beiden Polizist*innen auf unerwartet viel Widerstand.
Das Drehbuch wirkt dabei die meiste Zeit so, als habe Markus Söder neben seiner Food-Blogging-Tätigkeit eine Satire über „links-woke Spinner“ geschrieben. Das Personenkarussell der Folge, angefangen von Christiane von Poelnitz als Polizeivizepräsidentin Beatrix Grandl und Matthias Bundschuh als Polizei-Pressesprecher Wendelin Georgi bis zu Lise Risom Olsen als non-binäre Profex (als geschlechtsneutrale Bezeichnung für Professor*in) Kim Hallstein, ist eine uninspirierte Ansammlung unter-komplex gezeichneter Karikaturen, deren einziges Ziel es zu sein scheint, Bemühungen um Diversität und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Themen wie Gender und Rassismus ins Lächerliche zu ziehen. Erst ganz kurz vor Schluss fiel Drehbuchautor Stefan Weigl offensichtlich ein, dass es da auch noch einen Kriminalfall mit eigentlich ernstem Hintergrund zu lösen gab, und flanscht ein unpassend hartes Finale an die ganze Chose.
In einer einzigen Szene, die dann auch den einsamen Höhepunkt darstellt, darf Kriminalhauptkommissarin Cris Blohm kurzzeitig aus der Rolle fallen (und mit ihr auch Johanna Wokalek) und zu Michael Jacksons „Smooth Criminal“ über den Gang tanzen. In diesen wenigen Augenblicken liegt mehr Seele und Ausdruck als im ganzen angestrengten Rest der Folge. Mögen die anderen Einsätze als Chris Blohm mehr solcher Momente für Johanna Wokalek bereithalten. Und bessere Drehbücher…



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