Olivers Filmwelten

Aus Leidenschaft zum Film


„Liebestraum“ / „Todestraum – Der letzte Zeuge schweigt“

USA, 1991

Bewertung: 1.5 von 5.

Der erfolgreiche New Yorker Architektur-Professor und Buchautor Nick Kaminsky besucht die Kleinstadt Elderstown, da seine Mutter, die er als Adoptivkind nie zuvor gesehen hat, im Sterben liegt. Zufällig begegnet er seinem alten Collegefreund Paul, der gerade ein altes Gebäude abreißen lässt, und rettet ihm bei einem Baustellenunfall das Leben. Aus Dankbarkeit lädt er ihn zur Geburtstagsparty seiner Frau Jane ein. Über das gemeinsame architekturhistorische Interesse an dem Abrissgebäude und dessen geheimnisvoller Geschichte um einen dreißig Jahre alten, unaufgeklärten Mord kommen sich Nick und Jane näher…
Leider entsteht aus dieser Prämisse keinerlei Spannung, weder emotionale, noch erotische und auch keine erzählerische.
Hauptdarsteller Kevin Anderson tappst plan- und ausdruckslos durch die Szenerie und die Frage, warum Jane ihm verfällt, bleibt ebenso offen, wie die, warum Altstar Kim Novak die Rolle der Mutter angenommen hat, in der sie Sätze wie „I can smell her c*nt on you“ sagen muss.
Bill Pullmanns Paul hat ein Alkoholproblem und es würde mich nicht wundern, wenn der Charakterdarsteller tatsächlich am Set getrunken hätte, um das Drehbuch und die dämlichen Dialoge a la „You can come and go as you like, but don’t come in Jane.“ zu ertragen.
Pamela Gidley, die später in „Twin Peaks – Fire Walk with Me“ die Rolle der Teresa Banks übernahm, macht als Jane ihre Sache noch am besten, aber viel mehr als gut zu aussehen und sich von Nick zwischen die Beine fassen zu lassen, muss sie ja auch nicht leisten.
Der Film ist anstrengend in seinem Bemühen, so viele Dinge sein zu wollen, die er nicht ist: eine Hommage an den Film Noir, ein provokanter Erotikthriller, dessen erzählerischer Kreis sich schließt, wenn Jane beim finalen Sexualakt zu Nick sagt „Come in me!„, ein Mysteryfilm, der gerne von Lynch wäre, aber nur von Mike Figgis ist.
Ja genau, jener Mike Figgis, der zuvor mit „Stormy Monday“ und „Internal Affairs“ soweit ich mich erinnere durchaus gelungenes Genrekino und später mit „Leaving Las Vegas“ ein vielfach nominiertes und ausgezeichnetes Alkoholikerdrama geschaffen hat. „Liebestraum„, benannt nach Franz Liszts Klavierstück, ist jedoch nichts anderes als ein zurecht vergessener Eintrag in seiner Filmographie, an dem das beste tatsächlich die aufwändige Edition ist, die Vinegar Syndrome ihm jetzt samt leinengebundenem Mediabook und stylischem Schuber spendiert hat, der er aber in keiner Weise gerecht wird.



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