Olivers Filmwelten

Aus Leidenschaft zum Film


„The Incident“

USA, 1967

Bewertung: 4 von 5.

Alle, die oft mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, kennen sicherlich dieses Gefühl des Unbehagens angesichts von aggressiv auftretenden Mitreisenden.
In „The Incident“ setzt Regisseur Larry Peerce, von dem eins vielleicht noch den neun Jahre später entstandenden Thriller „Zwei Minuten Warnung“ kennt, in seinem wohl besten Film die Fahrgäste einer New Yorker U-Bahn einer solchen Situation aus.
Zwei junge Männer (Tony Mustante und Martin Sheen in seiner ersten Filmrolle) treiben aus Langeweile ihre sadistischen Spielchen mit den Mitfahrenden, die man in kurzen Szenen bereits kennengelernt hat, bevor sie in die U-Bahn eingestiegen sind, und es trägt zur besonderen Stimmung und Dynamik des Films bei, dass eins für die meisten von ihnen nicht unbedingt nur Sympathie empfindet. Helden sucht eins hier, wie auch im echten Leben, vergeblich.
Die dynamische Kameraarbeit und die kontrastreichen, düsteren Schwarzweißbilder von Gerald Hirschfeld ziehen die Zuschauer*innen direkt in den U-Bahnwagen und die Geschehnisse mit hinein und lässen sie die körperliche und psychologische Bedrohlichkeit der Situation unmittelbar miterleben.
Insbesondere Tony Mustante ist geradezu beängstigend als Wortführer des gewaltbereiten Duos, während Martin Sheen den ekeligen Mitläufer gibt, der sich nur an der Seite seines Kumpels stark fühlt.
Im Gegensatz zum sieben Jahre später entstandenen, aber deutlich bekannteren „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn-123„, in dem Terroristen eine U-Bahn in ihre Gewalt bringen, bezieht „The Incident“ seine Wirkung vor allem aus der Alltäglichkeit der Situation.
Ein kleiner, dreckiger Film, der ruppig inszeniert und intensiv gespielt ist und durch das britische Labels Eureka auch für ein europäisches Publikum wieder in bestmöglicher Form zugänglich gemacht wurde.
In Deutschland lief er damals unter dem Titel „Incident… und sie kannten kein Erbarmen“ wohl kurz im Kino und angeblich mal in den 90er Jahren im Fernsehen, ist aber davon abgesehen in Deutschland leider weder erhältlich noch besonders bekannt.



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