USA, 1999
Bethany, die als Beraterin in einer Abtreibungsklinik arbeitet, bekommt eines Nachts Besuch von einem Seraph, der sich als Metatron, die personifizierte Stimme Gottes vorstellt und ihr sagt, sie müsse ihm helfen, weil zwei verstoßene Engel namens Loki und Bartleby dabei wären, die Unfehlbarkeit Gottes zu widerlegen, wodurch dessen gesamte Schöpfung aufhören würde zu existieren.
Hilfe bei ihrer Mission bekommt sie von Rufus, dem 13. Apostel, der in der Bibel nicht erwähnt wird, weil er Schwarz ist, und der Muse Serendipity, sowie Jay und Silent Bob, die hier als Propheten auftreten.
Jay und Silent Bob? Genau, wir befinden uns in einem Film von Kevin Smith, genauer gesagt in seinem 1999 entstandenen „Dogma„, der aufgrund von Rechtsstreitigkeiten zwischen der Verleihfirma und dem Regisseur seit vielen Jahren weder im Kino oder Streaming noch als physische Veröffentlichung verfügbar war.
Nach deren Beilegung war das australische Label Umbrella Entertainment nun das erste, das den Film in einer üppig ausgestatteten Sonderedition und wunderschönen 4K-Restaurierung veröffentlicht hat.
Doch wie gut hat der Film, der bereits bei Erscheinen für zahlreiche Tumulte sorgte, aber auch gleichsam eine Kultgemeinde um sich scharen konnte, die letzten gut 25 Jahre überstanden?
Smith bissige und respektlose Religionskritik trifft in Zeiten des Wiedererstarkens rechtskonservativer Evangelisten in den USA mehr denn je und gerade der leider viel zu früh verstorbene Alan Rickman als Metatron und die wunderbaren Linda Fiorentino („Die letzte Verführung„, „Unforgettable„) als Bethany und Selma Hayek als Serendipity sind heute noch ein Genuss, und auch Matt Damon und Ben Affleck machen ihre Sache als gefallene Engel wirklich nicht schlecht, aber das ständige vorpubertäre Sex-Gelaber von Jay fand ich damals schon mehr als nervig und zudem unpassend, vor allem angesichts der feministisch angehauchten Kritik an der Rolle der Frau in der Bibel und dem Twist, dass Gott eine Frau ist (gespielt von Alanis Morissette). Und Chris Rock fand ich ohnehin immer schon überbewertet, was sich für mich auch hier im Vergleich zu den anderen Darsteller*innen zeigt.
Alles in allem ist „Dogma“ aber über weite Strecken immer noch ein großer Spaß, dem eins seine Entstehungszeit jedoch deutlich anmerkt, und der damals wie heute durch infantilen und sexistischen Humor immer mal wieder getrübt wird.
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