Hongkong, 1990
Hongkong Ende der 1960er Jahre: die drei Freunde Ben, Frank und Tom sind Mitglieder einer Straßengang. Als Ben aus Versehen den Anführer einer rivalisierenden Gang töten, beschließen die drei unterzutauchen.
Das Angebot, mit ihrem Bekannten Luke Waffen nach Vietnam zu schmuggeln, kommt ihnen da gerade recht. Doch der Deal endet in einer Schießerei und bevor sie sich versehen befinden sie sich erneut auf der Flucht, mit einer Kiste Gold, die ihre Freundschaft auf eine harte Probe stellt.
Mit „Bullet in the Head“ ist jetzt bei Shout! in den USA auch der letzte der vier großen Filme von John Woo aus den 1990ern als wunderbar aufbereitete 4K-Edition in der Reihe „Hongkong Classics“ erschienen.
Es ist sicherlich Woos emotionalster, aber auch sein politischster Film, zeigt er doch überaus schonungslos das brutale Vorgehen chinesischer Polizeikräfte bei der Niederschlagung von Studierendenunruhen, die nicht nur zufällig an das Tian’anmen-Massaker auf dem „Platz am Tor des Himmlischen Friedens“ 1989 in Beijing erinnern. In diesen Momenten, genau wie später bei den Szenen im nordvietnamesischen Gefangenenlager (in denen er sich vor Michael Ciminos „Deer Hunter – Die durch die Hölle gehen“ verneigt) verlässt Woo das Genre des „Heroic Bloodshed“ und konfrontiert sein Publikum gnadenlos mit dem Schmerz und der Hässlichkeit von Gewalt.
Er beweist mit „Bullet in the Head“ eindrucksvoll, dass er bei aller Parabelhaftigkeit der Geschichte um Gier und Freundschaft, durchaus in der Lage ist, mehr als reine Actionspektakel zu drehen, woran das Publikum jedoch wenig Interesse zeigte. In diesem Lichte betrachtet wirkt sein Nachfolgefilm „Hard Boiled“ mit seinen auf Dauerfeuer stehenden Actionszenen fast wie ein trotziges „Nagut, hier habt ihr, was ihr wollt. Erstickt daran!„.
Auch in Hollywood, wohin er nach „Hard Boiled“ wechselte, wollte man nur Action von ihm sehen, und so gilt Woo heutzutage leider ausschließlich aber fälschlicherweise als Regisseur zwar schön anzusehender aber inhaltlich leerer Actionspektakel.

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