Großbritannien, 1947
„Black Narcissus“ war der zehnte Film des britischen Regie- und Produzentenduos Michael Powell und Emeric Pressburger und der erste, der nicht auf einem ihrer eigenen Original-Drehbücher basierte.
Die junge Ordensschwester Clodagh wird als unerfahrene Schwester Superior zusammen mit vier anderen Nonnen, unter ihnen die eigensinnige Schwester Ruth, nach Indien entsandt, um in einem ehemaligen Harem im Himalaya ein Kloster und eine Schule für die einheimischen Kinder und Frauen zu errichten.
Die Nonnen haben mit der Ablehnung durch die Bevölkerung zu kämpfen und auch der britische Verwalter Mr. Dean erweist sich eher als Ablenkung denn als Unterstützung.
Die weitestgehend werkgetreue Verfilmung des gleichnamigen Romans der Schriftstellerin Rumer Godden ist ein üppig ausgestattetes und brillant gefilmtes Psycho-Drama, das sich im Finale fast zur gothischen Schauergeschichte auswächst.
Wo Deborah Kerr ihre Schwester Superior zurückhaltend aber eindringlich anlegen darf, musste Kathleen Byron die labile Ruth auf Weisung der Regisseure weitaus offensichtlich neurotischer spielen als sie es selbst wollte, doch unter den manischen Manierismen blitzt immer wieder ihre feine Darstellungskunst durch, die sie ein Jahr später zusammen mit David Farrar (der hier den Mr. Dean gibt) in Powells & Pressburgers nächstem Film „The Small Back Room“ endlich zur Gänze zeigen durfte.
Von den vier jugendlichen oder erwachsenen indischen Nebenfiguren wurde nur die des jungen Generals tatsächlich von einem indischen Darsteller, dem ehemaligen Kinderstar Sabu („Der Elefantenjunge“, „Der Dieb von Bagdad“), gespielt. So ist in der Rolle der indischen Waise Kanchi die junge Jean Simmons zu sehen, deren verführerisch inszenierte Unschuld heute ebenso unangenehm wirkt, wie das damals leider noch übliche Brownfacing.
Was am Film hingegen heute noch beeindruckend ist, sind die in Technicolor-Farben schwelgenden Bilder des Kameramannes Jack Cardiff, denen es (auch dank der imposanten Matte Paintings von W. Percy Day) gelingt, das Publikum vergessen zu lassen, dass der Film vollständig in England und sogar größtenteils im Studio gedreht wurde. Die wenigen Außenaufnahmen entstanden in einem botanischen Garten und einem Altenheim für indische Armeeangehörige.
P.S.: Die 2020 entstandene dreiteilige Serien-Adaption des Romans lief in Deutschland wohl mal kurzzeitig auf Disney+, einschlägige Kritiken legen jedoch nahe, dass eins da nichts verpasst hat.

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