Argentinien, 2023
Im Leben der siebzehnjährigen Vera läuft nicht alles so, wie sie es sich wünschen würde. Im Volleyballteam sitzt sie meist nur auf der Ersatzbank, in der Ehe ihrer Eltern kriselt es und sie selbst hat mit Liebe und Sex auch noch keine richtigen Erfahrungen.
Ihre Mutter arbeitet als Immobilienmaklerin, aber insbesondere eine Wohnung wird sie nicht los, da diese recht heruntergekommen ist.
Da kommt Vera die Idee, diese Wohnung heimlich an andere Jugendliche zu vermieten, damit diese dort ungestört zusammen sein und Sex haben können. Aus Neugier beginnt Vera, die Paare dabei zu belauschen…
Was nach einer Teenagersexkomödie klingt, ist in Wirklichkeit eine sehr einfühlsam geschriebene und ebenso gespielte Coming-of-Age-Geschichte, die Themen wie weibliche Lust und Selbstbefriedigung, Polyamorie und Bi-Sexualität mit einer selten zu findenden Offenheit und Selbstverständlichkeit behandelt.
Die Hauptdarstellerin Luciana Grasso („Red Screening„) trägt den Film mit ihrem natürlichen und ausdrucksstarken Spiel, wobei sie von der Kameraarbeit von Lucas Pérez unterstützt wird, der es versteht eine sehr intime Atmosphäre ohne jeglichen Voyeurismus zu kreieren.
Dem Regie- und Drehbuchdoppel Romina Tamburello und Federico Actis ist mit ihrem Debütfilm das Kunststück gelungen, einen wunderbar leichtfüßigen Film zu schaffen, der seine Hauptfigur ernst nimmt ohne zum Drama zu werden und das Ganze mit einem Augenzwinkern erzählt ohne in billige Komödienuntiefen abzudriften.
Der deutsche Anbieter Capelight Pictures vertreibt den Film zur Zeit leider nur auf den gängigen Streamingplattformen von Amazon über Apple bis Youtube, wo er für kleines Geld zu leihen ist und dank des einfallslosen Werbetextes zumeist zwischen Erotikfilmen sein Dasein fristet und auf seine verdiente Entdeckung wartet. Auch ich bin nur zufällig bei der Recherche zur Hauptdarstellerin auf ihn aufmerksam geworden. Aber immerhin bei der gelungenen Synchronisation hat sich Capelight mehr Mühe gegeben als beim Marketing.

Kommentar verfassen