USA, 1999
„But I’m a Cheerleader“ ist der 1999 erschienene Debütfilm der queeren Regisseurin Jamie Babbit.
Die 17jährige Cheerleaderin Megan geht mit dem Mädchenschwarm und Footballspieler Jared, aber wenn sie ihn küsst, denkt sie derweil an ihre Cheerleading-Kolleginnen, und in ihrem Spind hängt eine Bikini-Schönheit. Außerdem ist sie Vegetarierin und liebt die Musik von Melissa Etheridge. Grund genug für ihre Eltern anzunehmen, dass ihre Tochter lesbisch ist, was diese jedoch verneint. Doch die Eltern lassen sich nicht beirren und schicken Megan in das Umerziehungscamp „True Directions„.
Dort lernt Megan die rebellische Graham kennen und die beiden Mädchen verlieben sich ineinander.
In knalligen Bonbonfarben erzählt Babbit die Geschichte einerseits satirisch überhöht und voller überspitzter Klischees, auf der anderen Seite mit viel Einfühlungsvermögen und sexueller Offenheit, was dem Film in den USA ein NC-17-Rating einbrachte, so dass er dort erst nach einigen Kürzungen erscheinen konnte.
Natasha Lyonne und die wunderbare Clea DuVall, die ich vor allem aus der großartigen Mysteryserie „Carnivale“ in eindringlicher Erinnerung habe, sind ein hinreißendes Paar, während Cathy Moriarty als Camp-Leiterin Mary J. Brown und RuPaul Charles, ausnahmsweise ohne Drag, als Lehrer Mike ihre herrlich überzeichneten Charaktere zu überaus komischem Leben erwecken dürfen.
Auch wenn nicht jeder Gag sitzt, weiß die Regisseurin genau, wann sie ihre Charaktere und deren Gefühle ernst nehmen und einen Gang zurückschalten muss.
Wegen seiner durchweg positiven und breitgefächerten Darstellung von Queersein erlangte der Film in der Community schnell große Beliebtheit, während die konservativen Kräfte in den USA gegen ihn Sturm liefen.
Der vereinzelt aufgekommene Vorwurf, der Film würde ein so ernstes Problem wie Conversion-Therapie ins Lächerliche ziehen, verkennt die kraftvolle Wirkung des Humors, der die Absurdität der Idee einer Umerziehung herausstellt, und das Lachen und die Freude, die ihm entspringen, werden zum Sieg über den Hass, aus dem heraus diese Idee entstanden ist.
Die britische Blu-ray enthält, ebenso wie die lange vergriffene und nur zu Mondpreisen erhältliche deutsche DVD, die ungekürzte ursprüngliche Fassung, die in den USA erst 2020 als „Director’s Cut“ wieder veröffentlicht wurde.

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