Olivers Filmwelten

Aus Leidenschaft zum Film


„A History of Violence“

USA, Kanada, 2005

Bewertung: 5 von 5.

Tom Stall, Besitzer eines kleinen Diners, führt ein beschauliches Familienleben mit seiner Frau Edie und den beiden Kindern Jack und Sarah in einer Kleinstadt im Mittleren Westen der USA, bis zu dem Tag an dem zwei Männer versuchen, seinen Laden auszurauben und seine Kellnerin zu vergewaltigen. Er tötet die beiden Männer mit erstaunlicher Präzision, was die Aufmerksamkeit landesweiter Medien auf ihn zieht. Kurze Zeit später erscheint ein Mobster aus Philadelphia und behauptet, Tom wäre in Wirklichkeit ein ehemaliger Mafiakiller namens Joey Cusack, was dieser jedoch bestreitet.
Lose basierend auf der gleichnamigen Graphic Novel von John Wagner und Vince Locke erzählt Cronenberg eine Geschichte wie gefühlt tausend andere Filme vor ihm, versteht es jedoch geschickt den Schwerpunkt zu verschieben.
So brutal die wenigen Gewaltausbrüche auch inszeniert sind (in der drastisch-graphischen Ausgestaltung der Schusswunden blitzt sogar etwas der alte Body-Horror durch) so wenig interessiert sich der Regisseur tatsächlich für diese Momente als Unterhaltungswert. Sie sind vielmehr nur Ausgangspunkt für seine Auseinandersetzung mit der Rolle der Gewalt in der amerikanischen Gesellschaft. Wann ist das Töten von Menschen eine verachtenswerte Straftat und wann gereicht es zum Heldentum?
Cronenberg seziert dabei sowohl gesellschaftliche Vorstellungen als auch Genre-Topoi mit schmerzhafter Genauigkeit und Gnadenlosigkeit, verweigert aber sowohl dem Publikum als auch seinen Figuren die Erlösung einfacher Antworten.
Viggo Mortensen und Maria Bello brillieren als Ehepaar, sowohl in den harmonischen, viel mehr jedoch noch in den aufreibenden Szenen, während Ed Harris und William Hurt wunderbare Bösewichter abgeben dürfen.
Optisch in klaren Bildern eingefangen und musikalisch gekonnt untermalt von seinen langjährigen Weggefährten Peter Suschitzky und Howard Shore, ist Cronenberg mit „History of Violence“ ein überaus kluger Gegenentwurf zum gewaltfreudigen Genrefilm gelungen, dessen Stilmitteln er sich ganz bewusst bedient, die er aber immer wieder zu brechen und dadurch zu entlarven versteht.
Die Criterion Collection hat den Film unlängst als üppig ausgestattete 4K-Disc veröffentlicht, die auch auf europäischen Playern läuft, für alle, die nicht auf eine entsprechende deutsche Umsetzung warten wollen.



One response to “„A History of Violence“”

  1. […] Bandbreite, wie es ihr ansonsten wohl nur noch zwei Jahre später in Cronenbergs „A History of Violence“ gelingen sollte.Es ist mitunter erstaunlich wie sehr es Kameramann James Whitaker gelingt, […]

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