Hongkong, 1992
John Woo war bereits seit den frühen 1970ern als Regisseur tätig, doch so richtig berühmt sollte er erst ab 1986 mit einer Handvoll von Filmen werden, mit denen er (zusammen mit anderen Hongkong-Regisseuren wie Ringo Lam und Tsui Hark) ein eigenes Genre prägte: „Heroic Bloodshed„, zumeist Gangster- oder Polizei-, seltener auch Kriegsfilme, in denen sich übermäßige aber stilisierte Gewaltdarstellung in der Tradition von Sam Peckinpah („The Wild Bunch„) und Kinji Fukasaku („Battles without Honour and Humanity„) mit Elementen des Neo-Noir und Themen wie Freundschaft und Ehre zu einem eigenen Ganzen verbanden.
Fürs Heimkino waren diese Meilensteine des Actionkinos, ohne die es heute Filme wie „The Raid“ oder „John Wick“ in dieser Form nicht geben würde, lange Zeit nur in wenig zufriedenstellenden Editionen erhältlich, woran auch die im letzten Jahr in Deutschland erschienen Blu-rays nichts ändern konnten, wirkten sie doch dank übertriebenen Rauschfilter-einsatzes wie Aufführungen aus einem Wachsfigurenkabinett.
Umso größer war meine Freude als bekannt wurde, dass das amerikanische Label Shout! die Rechte erworben habe und die Veröffentlichung als 4K-Editionen plane.
Warum nun ausgerechnet „Hard Boiled„, John Woos letzter in Hongkong entstandener Film zuerst erschienen ist, muss ich nicht verstehen, aber sein Abschiedsgeschenk hat alles, was Fans von ihm erwarten und das jetzt endlich in wunderbarer Bildqualität.
Bereits die Eröffnungssequenz in einem Teehaus hat gefühlt einen höheren Bodycount als alle amerikanischen Actionfilme der 80er zusammen und zeigt eindrucksvoll, warum die FSK sich damals gezwungen sah, den Film für die 16er Fassung mit 117 Schnitten um eine halbe Stunde zu kürzen.
Auch wenn ähnlich wie bei „John Wick“ hauptsächlich Schusswaffen aller Art vorkommen, wirkt die Gewalt bei Woo nicht zuletzt dank der handgemachten Effekte doch deutlich rauer und weniger kalkuliert.
Die Geschichte um den knallharten Polizisten Yuen (Chow Yun-Fat) und den Auftragsmörder Alan (Tony Leung Chiu-wai) im Kampf um und gegen ein Waffenschieberkartell mag weder die tragische Poesie eines „The Killer„, noch die Emotionalität eines „Bullet in the Head“ oder die Eleganz eines „Better Tomorrow“ haben, zählt aber definitiv zu jenen Werken des Regisseurs, die auch heute noch zu begeistern wissen, was sich über seine anschließend in den USA entstandenen Werke nicht unbedingt sagen lässt, von seinen letzten, belanglosen Versuchen wie der Neuverfilmung von „The Killer“ ganz zu schweigen.

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