Deutschland, 2025
Das Waisenmädchen Momo lebt in einem verfallenen Amphitheater und hat eine ganz besondere Gabe: sie kann gut zuhören. Doch eines Tages erscheinen die Grauen Herren und beginnen den Menschen die Zeit zu stehlen, nur allein Momo vermag ihnen zu widerstehen…
„Momo“ ist nach „Die unendliche Geschichte“ und „Jim Knopf“ sicherlich das bekannteste und erfolgreichste Buch des deutschen Schriftstellers Michael Ende. Bereits 1986 (dreizehn Jahre nach seinem Erscheinen) wurde es mit Radost Bokel in der Hauptrolle überaus erfolgreich verfilmt.
Wo sich Regisseur Johannes Schaaf damals (unter den wachsamen Blicken Michael Endes) eng an die Romanvorlage hielt, verpasst Christian Ditter der Geschichte in seiner Neuverfilmung eine gehörige Aktualisierung.
Aus den Grauen Herren von der Zeitsparkasse, die perfekt in die Zeit sowohl der Romanentstehung als auch der ersten Verfilmung passten, werden nun die Beschäftigten eines Tech-Konzern, die den Menschen ihre Zeit durch Social Media, Wearables und vermeintliche Selbstoptimierung stehlen. Soweit so passend, dass jedoch die Zigarren durch Inhaler statt z.B. Vaporizer ersetzt wurden, mit denen die Greys die Blütenblätter der Stundenblumen inhalieren, um am Leben zu bleiben, also aus dem (gesundheitsschädlichen) Rauchen und sinnlosen Verpaffen der Zeit hier eine tatsächlich lebensrettende Maßnahme wird, hinterlässt im vorliegenden Fall nicht nur einen befremdlichen Beigeschmack, sondern ist nur ein Beispiel dafür, wie Ditter konsequent viele absurd-hintersinnige Details der Vorlage nicht nur glättet, sondern geradezu eliminiert und damit der Geschichte ihren ureigenen Charme nimmt.
Die Besetzung mit Martin Freeman als Meister Hora und Claes Bang (dem Dracula aus der 2020er BBC-Serie) als Anführer der Greys hingegen finde ich durchaus gelungen und auch die britische Schauspielerin Alexa Goodall in der Titelrolle gefällt mir als jugendliche Heldin recht gut unter der Voraussetzung, dass eins damit klarkommt, dass der Regisseur und Drehbuchautor sich hier zugunsten seines Zielpublikums vom Bild einer eindeutig kindlichen und in gewisser Weise niedlichen Protagonistin entfernt hat.
Als Film mit immer noch sinnvoller Botschaft für ältere Kinder mag er somit ganz gut funktionieren, als Verfilmung des Buches von Michael Ende lässt er jedoch, trotz mancher in meinen Augen sinnvollen Anpassungen, eindeutig das Gespür für die Feinsinnigkeiten der Erzählung vermissen. Schade drum.

Schreibe einen Kommentar