Olivers Filmwelten

Aus Leidenschaft zum Film


„28 Years Later: The Bone Temple“

Großbritannien, USA

Bewertung: 5 von 5.

28 Years Later“ endete mit einer Szene, die stimmungstechnisch und inszenatorisch so gar nicht zum Rest des Films passen wollte und bei vielen die Befürchtung schürte, die Fortsetzung „The Bone Temple“ würde diesen Kurs fortführen. Doch zur Beruhigung sei soviel verraten: obgleich die in dieser Szene eingeführte Gruppe, die sich selbst „The Fingers“ nennt, eine zentrale Rolle in „The Bone Temple“ spielt, haben Regisseurin Nia DaCosta und Drehbuchautor Alex Garland sich für eine ernste und weniger comichafte Inszenierung entschieden als es dieser Umstand vermuten ließe. Genau genommen ist die Fortsetzung noch ruhiger als ihr Vorgänger, entfernt sich also noch weiter von der hektischen Stimmung des Originals, und auch die Infizierten treten als Bedrohung weiter in den Hintergrund.
Der Mensch als des Menschen Wolf ist ja schon seit Romeros „The Night of the Living Dead“ ein integraler Bestandteil des Zombiegenres und so stellen auch hier die „Fingers“ um Sir Lord Jimmy Crystal, der sich selbst für den Sohn Satans hält, die eigentliche Gefahr dar.
Und auch wenn sie tatsächlich viel Raum einnehmen, so gehört der Film eigentlich ganz und gar Ralph Fiennes als Dr. Ian Kelson.
Zwar werden etliche Fragen um den Doktor, die sich im Vorgängerfilm aufgetan hatten, beantwortet, jedoch ohne die Figur zu Tode zu erklären und ihrer Faszination zu berauben. Ganz im Gegenteil, ich kann mich nicht erinnern, wann eine philosophisch und wissenschaftlich so hoch gebildete Person in einem Genrefilm so verflucht badass sein durfte.
Und ganz nebenbei gelingt Da Costa und Garland zwischen erstaunlich gnadenlosen Gewaltausbrüchen und fast meditativ ruhigen Momenten eine interessante Abhandlung über den Ursprung des Bösen, gekonnt gekleidet in die wunderschönen Bilder des Kameramanns Sean Bobbitt und untermalt von den mystischen Klängen der isländischen Musikerin und Komponistin Hildur Guðnadóttir, mit denen DaCosta auch schon in ihren vorherigen Filmen zusammengearbeitet hat.
Die letzte Szene des Films stößt dann schließlich das Tor zu einer weiteren Fortsetzung angelweit auf und teasert die Rückkehr eines Publikumslieblings…



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