USA, 1959
Vorsicht: Dieses Review enthält Handlungsspoiler!
Chicago 1929: Die beiden Musiker Joe (Tony Curtis) und Jerry (Jack Lemmon) verlieren durch eine Razzia ihren Job und dann werden sie auch noch Zeugen eines Massakers zwischen zwei Mafiabanden, weswegen sie dringend untertauchen müssen. Da erfahren sie von einer Frauenkapelle samt Sängerin Sugar (Marilyn Monroe), die für ein dreiwöchiges Engagement in Florida eine Saxophonistin und eine Kontrabassistin suchen, und sie fassen einen verrückten Plan…
Männer in Frauenkleidern sind in Filmen ein immer wiederkehrendes Thema, jedoch nimmt Billy Wilders Komödie „Some Like It Hot“ unter all den unzähligen Beispielen eine ganz besondere Stellung ein.
Wo es den meisten Filmen um einen schnellen Gag durch die klischeehafte Darstellung von vermeintlich gegensätzlichen Geschlechterrollen geht, gelingt Wilder abseits der Komik noch etwas anderes: die beiden Männer erleben einen Perspektivwechsel und lernen tatsächlich etwas daraus (und mit ihnen hoffentlich auch das Publikum).
So erfährt der Frauenheld Joe in der Verkleidung als Josephine unter anderem, wie es sich anfühlt, von einem aufdringlichen Hotelpagen wiederholt belästigt werden.
Und Jerry lernt als Daphne noch etwas ganz anderes, als Sugar während der Zugreise nachts zu ihr bzw. ihm ins Etagenbett klettert und gerade als er darüber nachdenkt, die Situation für sich auszunutzen, sich das Ganze zu einer Party auswächst, zu der immer mehr Frauen aus der Kapelle dazustoßen: sein weibliches Alter-Ego Daphne wird von den anderen Frauen auf freundschaftlicher Basis akzeptiert und er findet Gefallen daran und zwar wie es scheint ohne die sexuellen Hintergedanken, die er vorher bei Sugar noch ganz offensichtlich hatte.
Wilder inszeniert hier das Eindringen eines Mannes in einen geschützten, eigentlich nur Frauen vorgehaltenen Raum und macht daraus eine entwaffnende Lektion über Akzeptanz und Freundschaft.
Und während Joe, sobald sie Florida erreicht haben, aus der Frauenrolle ausbricht wann immer er kann, um als falscher Millionär Shell Junior die Sängerin Sugar zu umwerben, verbleibt Jerry in der Rolle der Daphne, als welche er von dem echten Millionär Osgood Fielding III. (großartig: Joe E. Brown) umgarnt wird (und mit ihm eine der ikonischsten und komischsten Tangoszenen der Filmgeschichte aufs Parkett legt).
Und gegen Ende des Films,
wenn Joe als Josephine Sugar küsst (und sie zurück) und Osgood auf Jerrys Geständnis, dass er keine Frau sondern ein Mann sei und sie deswegen nicht heiraten könnten, nur trocken antwortet: „Niemand ist perfekt!„,
Die dem Film teilweise zugrundeliegende Romanvorlage wurde übrigens bereits 1935 in Frankreich als „Fanfare d’Amour“ und 1951 in Deutschland als „Fanfaren der Liebe“ verfilmt. Billy Wilder kannte zumindest die deutsche Verfilmung, die er nach eigener Aussage ganz furchtbar fand. Allerdings erkannte er das Potential der Geschichte und verfasste zusammen mit I.A.L. Diamond ein eigenes Drehbuch, wobei er zahlreiche Ergänzungen, Änderungen und Auslassungen vornahm.
Davon wie schlimm die beiden früheren Verfilmungen sind, kann sich eins auf den gängigen Videoplattformen überzeugen. Dort schlüpfen die beiden Musiker nämlich, bevor sie sich als Frauen verkleiden, schon für vorherige Auftritte in andere Rollen, und zwar als Roma und Schwarze (im Deutschen selbstverständlich mehrfach als Z* und N* bezeichnet), natürlich samt rassistischer Klischees und Blackface in seiner ursprünglichsten Form.

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