Österreich, Deutschland, 2026
Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges taucht ein ehemaliger Soldat in einem kleinen protestantischen Dorf auf und weist sich mittels eines Schriftstückes als verschollener Erbe eines brachliegenden Hofes aus. Die Dorfgemeinschaft ist skeptisch dem Fremden gegenüber, erst durch die Rettung eines jungen Mannes vor einem Bären gelingt es ihm, etwas ihr Vertrauen zu gewinnen. Als er schließlich Suzanna, die Tochter des benachbarten Großbauern, heiratet, um dadurch Zugang zum auf dessen Grundstück gelegenen Bach zu bekommen, scheint er endgültig im Dorf angekommen zu sein.
Aber dieser Soldat hat ein Geheimnis, in das uns der Film durch seine auktoriale Erzählerin gleich zu Beginn einweiht: er ist in Wirklichkeit eine Frau namens Rose, die sich lediglich (jedoch schon seit vielen Jahren) als Mann verkleidet hat.
Die Gründe dafür erfahren wir erst nach und nach, und der Film kumuliert sie letztendlich in dem Ausspruch „In der Hose war mehr Freiheit.„, wobei dem kleinen Wörtchen „mehr“ hier die entscheidende Bedeutung zukommt, erzählt uns Regisseur Markus Schleinzer doch die Geschichte einer Frau, die versucht, den Zwängen eines von Männern geschaffenen Systems zu entkommen, indem sie selbst zum äußerlich scheinbar Mann wird, dabei aber stets Gefangene dieses Systems bleibt.
Jede Nacht schließt sie sich selbst im mit Türen versehenen Bett ein und während des Krieges, so erfahren wir später, wurde sie mithilfe eines aus Horn gefertigten falschen Gliedes zum Täter an anderen Frauen, um selbst nicht aufzufliegen.
Nur einen kurzen Moment der Freiheit gönnt Schleinzer seiner Hauptfigur, lässt diesen jedoch vorsichtshalber von der Erzählerin, die sonst hauptsächlich als Mahnerin kommender Ereignisse fungiert, aber auch noch erklären, als traue er seinem Publikum nicht zu, diesen zu erkennen, als wäre er nicht abzulesen aus der plötzlich veränderten Miene und der Haltung der wie immer großartig aufspielenden Sandra Hüller, neben der es allein der Theaterschauspielerin Caro Braun in ihrem Filmdebüt als Roses Ehefrau Suzanna gelingt, aus dem Ensemble hervorzustechen.
Nach eigener Aussage hat sich der Regisseur für seinen Film von den Schicksalen von etwa 300 als Mann verkleideter Frauen innerhalb der deutschen und österreichischen Geschichte inspirieren lassen, verschiedene kleinere Details und der Name Rose lassen nach Meinung der Literaturwissenschaftlerin Angela Steidele jedoch eine starke Anlehnung an Catharina Margaretha Linck alias Anastasius Lagrantinus Rosenstengel (1687–1721) erkennen, der Regisseur und Film aber nicht gerecht würden. Linck, die zu Rosenstengel selbst lange geforscht und zwei Bücher veröffentlicht hat, wirft Schleinzer neben dem Plagiat einer Buchszene und historischen Ungenauigkeiten vor allem vor, er würde die queere Geschichte Lincks verschweigen und somit eine komplexe Figur durch eine rein heteronormative Sichtweise beschneiden. Linck, so führt Steidele aus, habe im Laufe ihres Lebens sexuelle und romantische Beziehungen zu verschiedenen Frauen gehabt und dabei ihr falsches Glied, wie aus den Gerichtsakten zu ihrer Verurteilung wegen „Unzucht mit einem anderen Weibe“ hervorgehe, tatsächlich zur Luststimulanz eingesetzt, wofür sie letztlich mit dem Tode bestraft wurde.
Eine Stellungnahme des Regisseurs zu den Vorwürfen habe ich bisher nicht gefunden. Nun ist Rose bei ihm ja auch der tatsächliche Name der Frau und nicht der männlichen Identität, und Handlung und Zeitrahmen sind so weit entfernt von Lincks tatsächlichem Leben, dass ohne Steideles Einwand vielleicht kaum jemand auf den Vergleich gekommen wäre.
Und Sex kommt in seinem Film nur als Funktionsbestandteil des patriarchal-christlichen Systems vor, als Ausdruck von Macht, als Bestrafung oder als Erfüllung von Pflicht. Für Lust ist dort kein Platz in diesem streng geregelten Alltag, in dem religiöses und gesellschaftliches Leben untrennbar verwoben sind.
Vielleicht ist Steideles Vorwurf aber auch nicht nur Ausdruck der Frage danach, wieviel Wahrheit eine historische queere Frauenfigur in einem Film verdient hat, sofern sie überhaupt Gegenstand des Filmes ist, (Antwort: soviel wie eben möglich), sondern vor allem wieviel positive Repräsentanz weiblicher Lust und queeren Lebens wir als Publikum verdient haben. Die Antwort darauf wäre: Viel mehr als es zur Zeit gibt. Und im Blickwinkel dieser Frage, mag „Rose“ als vertane Möglichkeit erscheinen, für die Schleinzer aber ohnehin nicht der richtige Regisseur gewesen wäre, wie Interviews mit ihm genauso zeigen wie seine bisherigen Filme „Michael“ und „Angelo„, aus denen jenes ihm eigene pessimistische Weltbild spricht, das sein Stammkameramann Gerald Kerkletz in „Rose“ durch bewusst komponierte Schwarzweiß-Bilder meisterlich zu unterstützen versteht.

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