USA, 2022
Heute möchte ich mich einer Form des filmischen Erzählens widmen, die viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt und auch hier im Blog bisher nur am Rande Erwähnung gefunden hat: der Kurzfilm.
Oft bildet er die Möglichkeit für angehende Filmemacher*innen mit weniger Aufwand und Kosten ihre Ideen zum Leben zu erwecken, jedoch negiert diese Sichtweise ein Stück weit, dass es sich beim Kurzfilm um eine eigene Gattung, eine eigene Kunstform handelt, deren Erzähl- und Inszenierungsweise sich von der des Spielfilms fundamental unterscheidet, in etwa vergleichbar mit der Kurzgeschichte im Verhältnis zum Roman.
Dieser Unterschied zeigt sich immer wieder dann, wenn Regisseur*innen versuchen, ihre Kurzfilme später zu Langfilmen aufzublasen und diese plötzlich nicht mehr funktionieren. Ein sehr „schönes“ Beispiel hierfür ist für mich z.B. der 2003 viral gegangene Kurzfilm „Rare Exports, Inc.“ (und seine 2005er Fortsetzung „Rare Exports: The Official Safety Instructions „) des finnischen Regisseurs Jalmari Helander einerseits und die 2010 veröffentlichte Langfilmfassung „Rare Exports: A Christmas Tale„.
Ein solches Schicksal bleibt dem Kurzfilm, den ich nun vorstellen will, hoffentlich erspart: „Portrait of God“ von Dylan Clark.
„No man shall see me and live. – Exodus 33:20″
Mit diesem Bibelzitat beginnt die Geschichte um eine junge Frau, die ein Gemälde erforscht, das ein Portrait Gottes darstellen soll. Doch die Tatsache, dass sie im Gegensatz zu anderen Menschen, deren Aussagen sie gesammelt hat, nichts in diesem Bild erkennt, lässt sie an ihrem eigenen Glauben zweifeln.
In nur siebeneinhalb Minuten schafft der Regisseur, Drehbuchautor und Kameramann Dylan Clark zusammen mit der eindringlichen Darstellung von Sydney Brumfield mehr als nur einen überaus wirkungsvollen Horror-Kurzfilm, denn neben der Gänsehaut lässt er uns mit zahlreichen Gedanken zurück, rührt er doch an menschliche Urängste und -fragen.
Oder um es mit den Worten modernen Marketings zu sagen: Wer „A Dark Song“ mochte, wird „Portrait of God“ lieben.
Zu finden ist der Kurzfilm auf den offiziellen Kanälen des Regisseurs auf YT und Vimeo, wobei letzterer die bessere Wiedergabequalität (bis zu 4K) bietet.

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