Olivers Filmwelten

Aus Leidenschaft zum Film


„Szürkület“ / „Twilight“

Ungarn, 1990

Bewertung: 4.5 von 5.

1990 verfilmte der ungarische Kameramann und Regisseur György Fehér „Das Versprechen„, jenen Roman, den der Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt 1958 auf Basis seines eigenen Drehbuchs zu „Es geschah am hellichten Tage“ verfasst hatte.
Fehér greift jedoch nur zentrale Handlungspunkte heraus und inszeniert sie als Momentaufnahmen, die verbunden durch nebelige Landschaftsaufnahmen nur bedingt so etwas wie eine zusammenhängende oder gar nachvollziehbare Handlung ergeben, sofern eins nicht den Roman oder die Verfilmung mit Heinz Rühmann kennt.
Im Vergleich zu letzteren fällt auf, dass sich der ungarische Filmemacher näher am Roman als am Film orientiert und dabei insbesondere dessen problematische Szenen nicht übernimmt.
Die Frau des Kindermörders ist hier (anders als im 1958er Film) nicht die Ursache seiner Gewaltausbrüche, sondern ebenfalls ein Opfer dieser.
Die Kamera von Gurbán Miklós bleibt die meiste Zeit über ein stiller Beobachter aus der Ferne, nur um dann in emotional eindringlichen Momenten so nah an des Geschehen heranzurücken, dass es den Zuschauenden ein geradezu körperliches Unbehagen bereitet.
So schauen wir z.B. bei der Begegnung des Mörders mit dem Mädchen unmittelbar über seine Schulter in ihr Gesicht, sodass wir gezwungen sind zuzugucken, denn Möglichkeiten woanders hinzuschauen bietet uns die Kamera hier nicht.
Überhaupt sind die gräulich-trostlosen Schwarzweiß-Bilder Gurbáns genauso sperrig gegen den Strich gebürstet wie die Erzählweise und die sparsamen Dialoge des Films. Nichts davon ist darauf ausgelegt, oberflächlich zu gefallen oder gar zu unterhalten, und ist doch gerade deswegen so passend zur Thematik.
Obwohl der Film damals auf dem Filmfest in Locarno mit einem Preis ausgezeichnet wurde, war er über viele Jahre außerhalb Ungarns nicht offiziell verfügbar. Filmemacher wie Peter Strickland („Berberian Sound Studio„, „The Duke of Burgundy„) und die Quay Brothers („The Street of Crocodiles„), alle große Bewunderer des Films, erzählen in Interviews einstimmig davon, wie sie ihn nur auf mehrfach kopierten VHS-Kassetten zu sehen bekamen. Erst 2023 veröffentlichte das britische Label Second Run den Film, basierend auf einer 4K-Restaurierung durch das National Film Institute Hungary, im Original mit englischen Untertiteln erstmalig für den Heimkinomarkt. Von einer deutschen Veröffentlichung ist wie so oft keine Spur.



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