Kanada, Deutschland 2024
Da seine Frau ein zweites Kind erwartet, zieht Julian Grimm zurück in abgelegene kanadische, stark religiös geprägte Gemeinde, aus der er ursprünglich stammt. Hier soll seine Familie in Sicherheit leben können.
Doch für seine Teenager-Tochter Emerson bedeutet der Umzug einen schwierigen Neuanfang. Das schüchterne Mädchen wird in der Schule gemobbt, nur mit der rebellischen Delilah Soleil freundet sie sich an.
Als die Leiche eine Mitschülerin gefunden wird, erzählt Emerson, sie habe ein Monster im Wald gesehen, doch niemand schenkt ihr Glauben.
Zusammen mit Delilah beschließt sie, durch ein Ritual jenen inneren dunklen Geist zu beschwören, der angeblich allen Menschen innewohnt, um sich mit dessen Hilfe gegen das Monster wappnen zu können.
Der Debütfilm der kanadischen Regisseurin Carly May Borgstrom ist ein atmosphärisch dicht inszeniertes Coming-of-Age-Drama, das gekonnt mit Genre-Elementen spielt ohne je ganz Genre zu werden.
Die Stärke des Films liegt dabei in seiner rein weiblichen Erzählperspektive, die uns eine Welt zeigt und ein Stückt weit erfahrbar macht, in der es überhaupt kein Monster im Wald braucht, um sich als Mädchen einem Gefühl ständiger Bedrohung ausgesetzt zu sehen.
Besonders viel Tiefe gibt das Drehbuch den Charakteren zwar nicht, aber die hervorragenden Darsteller*innen, insbesondere Summer H. Howell („Night of the Reaper„) als Emerson und Sarah-Maxine Racicot in ihrer ersten Spielfilmrolle als Delilah, sorgen mit ihrem natürlichen Spiel dafür, dass wir mit ihnen mitfühlen und mitfiebern.
Die deutsch-afghanische Kamerafrau Zamarin Wahdat findet in ihrer erst zweiten Langfilmarbeit starke Bilder für diese Geschichte über die Rolle heranwachsender Mädchen in einer männlich geprägten Gesellschaft und den Mut aus dieser Rolle auszubrechen, die von der Regisseurin und Drehbuchautorin Borgstrom zudem in einem nervenaufreibenden und durchaus blutigen Finale zu einem wunderbar runden Abschluss gebracht wird.
„Spirit in the Blood“ ist somit ein weiteres Beispiel dafür, warum ich Debütfilme bei all ihrer gelegentlichen Imperfektion so sehr schätze, und von den beteiligten Filmemacherinnen wird eins hoffentlich zukünftig noch mehr hören.
Der Film läuft übrigens noch bis Mittwoch, den 19.08.2026 in der ARTE-Mediathek, ist jedoch auch nach Anmeldung vor 22 Uhr nur mit zusätzlicher Altersverifikation zu sehen, es sei denn eins hat die Verifikation schon zu einem früheren Zeitpunkt im Profil hinterlegt.

Schreibe einen Kommentar