Olivers Filmwelten

Aus Leidenschaft zum Film


„April, April“

Deutschland, 1935

Bewertung: 4 von 5.

Bevor er in den USA unter dem Namen Douglas Sirk in den USA durch seine stilprägenden Melodramen zu einem Regisseur von Weltruhm wurde, drehte Detlef Sierk in seinem Heimatland Deutschland bereits einige durchaus bemerkenswerte Filme, die vom britischen Label Eureka unlängst unter dem Titel „Sirk in Germany“ veröffentlicht wurden.
In „April, April“ prahlt der bürgerliche Nudelfabrikant Lampe während einer am 1. April in seinem Hause stattfindenden Feierlichkeit damit, dass der Prinz von Holsten-Böhlau plane, für eine anstehende Expedition eine größere Menge Nudeln bei ihm zu bestellen, was zwei der anwesenden Geschäftspartner zu einem Aprilscherz animiert. In einem fingierten Telefonanruf kündigen sie für den nächsten Tag den Besuch des besagten Prinzen in der Nudelfabrik an und heuern den reisenden Vertreter Müller an, die Rolle des Prinzen zu spielen. Als der echte Prinz sich jedoch tatsächlich auch auf den Weg in die Fabrik macht, sind Verwechslungen und Chaos vorprogrammiert.
Auch wenn der Film inhaltlich bereits damals wenig Neues bot, so lebt er doch von der großen Spielfreude aller beteiligten Darsteller*innen und den pointierten Dialogen. Erhard Siedel, Lina Carstens und Charlott Daudert sind ein wunderbares versnobtes Möchtegern-Groß-Fabrikanten-Ehepaar nebst Tochter und Hubert von Meyerinck darf in einer Nebenrolle als falscher Prinz so richtig aufdrehen.
Und den beiden sympathischen Hauptdarsteller*innen Carola Höhn als Lampes Sekretärin Friedl Bild und Albrecht Schoenhals als echter Prinz von Holsten-Böhlau spendiert das Drehbuch natürlich noch eine Liebesgeschichte, die erfreulich kitschfrei bleibt.
April, April“ gehört sicherlich nicht zu den ganz großen Komödienklassikern seiner Zeit, weiß aber nichtsdestotrotz sehr gut zu unterhalten und zeigt bereits untrüglich das Talent seines Regisseurs.
Während die meisten der vorgenannten Mitwirkenden noch 1944 auf der Gottbegnadeten-Liste der für das NS-Regime bedeutsamen Küstler*innen standen (inklusive Hubert von Meyerinck, trotz dessen offener Homosexualität und seiner u.a. später von Billy Wilder verbürgten Ablehnung der Nationalsozialisten), musste Detlef Sierk 1937 wegen seiner jüdischen Ehefrau und der deutlichen Kritik an den Nazis in die USA fliehen, und Albrecht Schoenhals‘ Karriere endete 1940, als er die Hauptrolle im berüchtigten Propagandafilm „Jud Süß“ ablehnte.



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