Griechenland, 1977
Die Heerscharen der griechischen Könige haben sich nahe der Hafenstadt Aulis versammelt, um mit eintausend Schiffen unter der Führung von Agamemnon und Menelaos gen Troja aufzubrechen, doch eine anhaltende Flaute verzögert das Ablegen der Flotte, was zunehmend zu Unruhen unter den Soldaten führt. Als Agamemnon zudem bei der Jagd aus Versehen den heiligen Hirsch der Artemis erlegt, gibt es laut des Sehers Kalchas nur noch eine Möglichkeit den Zorn der Göttin abzuwenden und für günstige Winde zu sorgen: Agamemnon soll seine erstgeborene Tochter Iphigenie opfern. Unter dem Vorwand, sie mit dem jungen König Achilles zu verheiraten, lockt er sie nach Aulis, nicht ahnend, dass ihre Mutter Klytaimnestra dem Ruf ebenfalls folgt.
Der griechische Regisseur Michael Cacoyannis („Alexis Sorbas„) verfilmte mit „Iphigenie“ nach „Elektra“ (1962) und „Die Trojanerinnen“ (1971) zum dritten Male ein Stück des antiken Tragödiendichters Euripides rund um den Mythenkreis des Trojanischen Krieges.
Es ist das Portrait eines Mannes, der vor einer unmöglichen Entscheidung steht, einer Frau, die diese Entscheidung nicht hinnehmen will, und eines Mädchens im Angesicht des drohenden Todes. Cacoyannis‘ antikes Griechenland ist keine Hochkultur sondern eine karge, archaische Welt, von Kameramann Giorgos Arvanitis in gewaltigen Bilder eingefangen und von Komponist Mikis Theodorakis mit ebensolcher Musik unterlegt.
Kostas Kazakos und die große Charakterdarstellerin Irene Papas brillieren als Agamemnon und Klytaimnestra, doch über allem schwebt die eindringliche Darstellung der damals gerade erst 12jährigen Tatiana Papamoschou als Iphigenie, die mit ihrer Mischung aus kindlicher Natürlichkeit und dramatischer Schwere den emotionalen Dreh- und Angelpunkt des Filmes bildet.
Dass die Verweise in die politische Gegenwart (die des Regisseurs wie auch unsere) nicht als störend auffallen, zeigt die Zeitlosigkeit des Stoffes um den Tod von Moral und Mitgefühl, ausgelöst durch Machtstreben und blinde Kriegslust. „Iphigenie“ ist somit auch ein Anti-Kriegsfilm, der uns den Krieg jedoch gar nicht zeigen muss, um uns seine Sinnlosigkeit darzulegen.

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