USA, 2026
Ich vermag mich nicht zu erinnern, wann ich das letzte Mal vom ersten Augenblick an mit einem so breiten, rundum glücklichen Grinsen im Kino gesessen habe, um dann gegen Ende wiederholt zu denken, es könne nicht noch besser werden, nur um Sekunden später ein ums andere Mal eines Besseren belehrt zu werden.
Was Jane Schoenbrun („I Saw the TV Glow„) in diese 112 Minuten Film gepackt hat, lässt sich im Rahmen eines Kurzreviews, wie ich sie hier normalerweise schreibe, weder angemessen wiedergeben, noch würdigen.
Die Geschichte um die queere Regisseurin Kris, die nach dem Erfolg ihres experimentellen Erstlings die seit den 1980er laufende Slasherfilm-Reihe „Camp Miasma“ für ein modernes Publikum quasi neu erfinden soll und dabei von der Idee besessen ist, dafür die mittlerweile zurückgezogen lebende Darstellerin Billy Preston aus dem ersten Teil der Serie zu casten, bildet dabei nur den erzählerischen Unterbau.
Dass dieser unter der schieren Ideenflut zu Themen wie Transfeindlichkeit im Genrefilm, queeres Erwachen durch Genrefilme, Entdeckung der eigenen Sexualität, das Verhältnis von Wirklichkeit und Fiktion im Film, etc. nicht zusammenbricht, ist vor allem den beiden fantastischen Hauptdarstellerinnen Hannah Einbinder als Kris und Gillian Anderson als Billy zu verdanken, denen es nahezu mühelos gelingt Glaubwürdigkeit und schauspielerische Raffinesse, emotionale Wahrhaftigkeit und totalen Camp, Tragik und Humor zu einer homogenen Einheit zu verbinden.
Die Metaebenen, die der Film dabei aufbaut, gefallen sich bei aller Zitierfreudigkeit von „Sleepaway Camp“ über „Freitag der 13“ bis „Videodrome“ nie in reiner Selbstreferenzialität a la „Scream„, sondern schaffen ein überaus komplexes, transzendentales und transmediales Gedankenkonstrukt, das sich bei einmaligem Anschauen in all seinen Details noch nicht in Gänze erfassen lässt.
Insbesondere zwei Filme von Peter Strickland kamen mir wiederholt in den Sinn, stellt „Teenage Sex und Death at Camp Miasma“ für mich doch einerseits den intelligentesten und zugleich erotischsten Film über Sex seit Stricklands wundervollem „The Duke of Burgundy“ und andererseits den detailreichsten und originellsten Film über die Entstehung und Wirkungsweise von Horrorfilmen seit „Berberian Sound Studio“ dar, nur dass Schoenbrun das Genre nicht nur messerscharf analysiert, sondern eben auch kopfüber hineinspringt und mit allergrößter Freude in den Blutfontänen badet.
So, und jetzt muss ich eigentlich ins Bett, aber vorher guck ich noch, wann und wo ich diese Woche nochmal in den Film gehen kann…

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