USA, Großbritannien, 2019
Der Film beginnt mit einer sonnenbeschienen Blumenwiese, einem jener Bilder wie man sie sonst in Kriegsfilmen nur dann zu sehen bekommt, wenn sich die Soldaten an die Heimat und die Zeiten erinnern, als alles noch in Ordnung war.
Hier liegt die Wiese nur wenige hundert Meter entfernt von den Schrecken des Krieges.
Die beiden Soldaten (dargestellt von George MacKay und Dean-Charles Chapman), die an ihrem Rand dösen, werden zu ihrem vorgesetzten Offizier gerufen, um von ihm auf eine Mission geschickt zu werden. Zwanzig Minuten später bereits robben sie durch eine Landschaft, die nur aus Schlamm und Leichen zu bestehen scheint.
Kameramann Roger Deakins und Produktionsdesigner Dennis Gassner erschaffen gerade hier Bilder voller Grauen, die eins so schnell nicht vergisst.
Manche mögen sich im weiteren Verlauf des Filmes an dem einen oder anderen Zufall stören, der den beiden zustößt, doch so wie Sam Mendes diesen Film seinem Großvater und dessen Erzählungen über den ersten Weltkrieg widmet, so kenne ich eben diese skurillen Zufälle auch aus den Erzählungen meines Vaters über den Zweiten Weltkrieg, den er zum Glück nur gestreift hat.
Bei all der Grausamkeit des Krieges gelingen Mendes auch immer wieder Szenen voller Humor und Hoffnung. Momente scheinbarer Normalität inmitten der Unwirklichkeit von Tod und Dreck, die uns umso bewußter machen, dass der Krieg das Leben aller Beteiligten auf den Kopf stellt und dass das, was uns als Betrachtende von außen als das Normale erscheint, dort das Besondere und Seltene ist und der Schrecken die Wirklichkeit, der man nicht entkommen kann.
Der Wettlauf der beiden Soldaten mit der Zeit wird in seiner Wirkung durch den Eindruck unterstützt, der Film wäre in einem Take gedreht worden. Die Kamerafahrten sind brilliant in ihrer technischen Ausführung und gleichzeitigen Zurückhaltung, sie verkommen eigentlich nie zum Selbstzweck, sondern stehen stets im Dienste der Erzählung.
Großes Kino, das einen sowohl beeindruckt als auch nachdenklich zurücklässt.

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