Olivers Filmwelten

Aus Leidenschaft zum Film


„Smile“ / „Smile – Siehst Du es auch?“

USA, 2022

Bewertung: 5 von 5.

Hin und wieder stoße ich den Tiefen meines Facebook-Feeds noch auf Reviews, die ich unbedingt im Blog haben will, wie z.B. dieses hier aus 2023:

Dass ein Lächeln nichts Vertrauenerweckendes sein muss, lehrte uns schon Conrad Veidt 1928 in „Der Mann, der lacht„, dessen Grinsen das Vorbild für die Figur des Jokers war, dem Regisseur Parker Finn in seinem Debütfilm über ein dämonisches Lächeln natürlich auch seine Referenz erweist.
Nachdem ich den Trailer gesehen hatte, habe ich erstmal einen großen Bogen um den Film gemacht, nicht weil ich ihn schlecht fand, sondern ganz im Gegenteil, weil er mir viel zu gruselig war.
Heute habe ich mich dann (noch im Hellen) herangetraut und ich habe bekommen, was ich (im positiven Sinne) befürchtet hatte.
Die junge Psychologin Dr. Rose Cotter wird in der psychatrischen Notaufnahme Zeugin wie sich eine Patientin umbringt, nachdem sie vorher noch berichtet hatte, sie würde von einer unheimlichen Wesenheit verfolgt, die sich in einem Lächeln auf den Gesichtern von Menschen manifestieren würde, ein bedrohliches, kaltes Lächeln.
Und schon bald sieht auch Rose dieses Lächeln…
Ich habe schon lange keinen Film mehr gesehen, der das aus-den-Fugen-Geraten der Realität so greifbar und fühlbar macht wie „Smile„.
Da wäre zum einen die Kamera von Charlie Sarroff, der schon in Natalie Erika James‘ „Relic“ bewiesen hatte, dass er die Bildsprache des Horrorfilms fließend und eindringlich beherrscht; dieses langsame Anschleichen an Personen, nur um dann unerträglich lange und nah an ihren Gesichtern zu kleben, diese Drohnenaufnahmen, in denen uns die ungewohnte Perspektive Bekanntes fremd erscheinen lässt und der Blick für kleine Details, die uns zeigen, dass irgendwas nicht stimmt.
Dazu kommt die eindringliche Musik von Cristobal Tapia de Veer, der schon den hoch-originellen Zombiefilm „The Girl with all the Gifts“ atmosphärisch verdichten durfte, wobei jedoch die vielen stillen Momente hier im Film fast noch unheimlicher sind, wo sich eins die Musik zurückwünscht, wohl ahnend, dass gleich etwas noch viel Schlimmeres kommt, basieren doch einige der wirkungsvollsten Schockeffekte auf dem plötzlichen Wechsel zwischen Stille und lauten Geräuschen. Normalerweise finde ich diese Art von Jumpscares eher nervig, aber hier sind sie tatsächlich sehr effektiv eingesetzt.
Das alles wäre aber eben nur Effekt, wäre da nicht Sosie Bacon (die Tochter von Kevin Bacon und Kyra „The Closer“ Sedgwick), die mit ihrem intensiven Spiel als Rose den Film trägt und die Zuschauer*innen dazu bringt, tatsächlich mitzufiebern und sich mitzufürchten.
Parker Finn, der auch das Drehbuch geschrieben hat, ist insgesamt gesehen ein erstaunlich konsequenter Film mit ein paar unangenehmen Gewaltspitzen gelungen, der zwar noch die eine oder andere erzählerische Unsicherheit zeigen mag, darüber hinaus aber geschickt mit menschlichen Urängsten wie der Angst vor dem eigenen Tod oder der Dunkelheit spielt, und nebenbei noch den Umgang der Gesellschaft mit psychischen Erkrankungen und Suizid thematisiert.
Ich lasse heute Abend auf jeden Fall noch ein bisschen das Licht an.



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