Olivers Filmwelten

Aus Leidenschaft zum Film


„Frankenstein“

USA, 2025, Netflix

Bewertung: 5 von 5.

Die Besatzungsmitglieder des auf seiner Nordpol-Expedition im Eis steckengebliebenen dänischen Schiffes Horisont finden einen schwer verletzten Mann und bringen ihn Bord, doch eine seltsame Kreatur erscheint und fordert dessen Herausgabe. Der Verletzte, der Wissenschaftler Baron Victor von Frankenstein, erzählt dem Captain des Schiffes seine Geschichte und wie er diese Kreatur geschaffen hat.
Guillermo del Toro bedient sich in seiner Adaption von Mary Shelleys „Frankenstein“ zwar der Rahmenhandlung des Romans, die verschachtelte Erzählung in Briefform bricht er jedoch auf und an die Stelle nur indirekt wiedergegebener Geschehnisse treten zwei unmittelbare Berichterstattungen, zuerst durch den Baron und später durch dessen Schöpfung, die Kreatur, die damit stärker als in bisherigen Verfilmungen eine eigene Stimme bekommt.
Diese Sichtweise auf die Kreatur als denkendes und fühlendes Wesen und eben nicht als Monster ist typisch für del Toro und mit Jacob Elordi („Euphoria„) hat er dafür den idealen Darsteller gefunden.
Oscar Issac ist als getriebener Wissenschaftler nicht minder beeindruckend und Mia Goth darf sich als Elizabeth Harlander, die Verlobte seines Bruders, mit ihm den einen oder anderen Schlagabtausch liefern.
Kameramann Dan Laustsen, mit dem der Regisseur seit „Crimson Peak“ zusammenarbeitet, kleidet die Geschichte, die trotz aller anfänglichen Body-Horroranleihen und gewalttätigen Momente nie erschrecken sondern ergreifen will, in überbordende, detailreiche Bilder, die (inspiriert von den kongenialen Illustrationen des Comic-Künstlers Bernie Wrightson) zu groß und gewaltig sind für den Fernseh- oder gar Computerbildschirm, sondern auf die Kinoleinwand gehören, wo sie jedoch hier in Deutschland wie auch schon den USA nur in Ausnahmen zu sehen waren, wurde der Film doch (wie schon del Toros wunderbarer „Pinocchio„-Puppentrickfilm) von Netflix produziert, wo er diese Woche offiziell angelaufen ist.
Dort im quotengetrieben Streaming-Angebot mag del Toros brillante, überaus intelligent konstruierte und intensiv gespielte Studie über das Menschsein und den Sinn des Lebens (und des Todes) fast wie ein Fremdkörper wirken oder wie eine willkommene Abwechslung. Wer jedoch einen Horrorfilm erwartet, wird, wie so oft bei del Toro, enttäuscht werden.



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