Olivers Filmwelten

Aus Leidenschaft zum Film


„Der Hauptmann“

Deutschland, 2017

Bewertung: 4.5 von 5.

Der Gefreite Willi Herold (Max Hubacher) ist in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs auf der Flucht vor den Feldjägern der Deutschen Wehrmacht. Durch Zufall findet er in einem verlassenen Geländewagen die Uniform eines deutschen Hauptmanns der Luftwaffe und legt diese an.
Was folgt, ist jedoch nicht die spannende Geschichte eines Flüchtenden, mit dem das Publikum mitfiebert und für den es hofft, dass seine Maskerade nicht auffliegt, sondern die schonungslose Nacherzählung von wahren Geschehnissen, die Willi Herold später den Beinamen „Der Henker vom Emsland“ einbringen sollten und denen wir nur fassungslos beiwohnen können.
Als großer Glücksgriff erweist sich dabei Milan Peschel, bei dessen Komödienrollen ich eigentlich regelmäßig reflexartig die Flucht ergreife, der als Adjudant des falschen Hauptmanns perfekt die Rolle des Mitläufers verkörpert, dem zwar einerseits das Entsetzen wahrhaftig ins Gesicht geschrieben steht, der jedoch nicht eingreift und irgendwann nicht mehr zurück kann.
Regisseur Robert Schwendtke, der auch das Drehbuch geschrieben hat, erzählt diese pervertierte Variante des Hauptmanns von Köpenick erstaunlich unprätentiös und dank des sehr guten Schauspielensembles (Frederick Lau, Samuel Finzi, u.a.) gelingen ihm einige beklemmende Szenen, von Florian Ballhaus, mit dem Schwendtke auch in seinen Hollywood-Filmen zusammengearbeitet hatte, in starke Schwarzweiß-Bilder gepackt.



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