USA, 1992
Mit seinem Film von 1992 schuf Regisseur Francis Ford Coppola die wahrscheinlich schönste und weitestgehend werkgetreueste Verfilmung des berühmten Romans um den Vampirgrafen.
Der deutsche Kameramann Michael Ballhaus, der in den 70ern schon für Fassbinder tätig gewesen war und zu Beginn der Neunziger nicht zuletzt wegen seiner Zusammenarbeit mit Martin Scorsese in Hollywood hoch gehandelt wurde, entwarf einen Bilderreigen, der durch die kunstvolle Einbindung von Briefen und Tagebuchseiten in die Bildgestaltung der stilistischen Form des Romans Rechnung trug und dessen raffinierte Über- und Einblendungen von Szenen dem Film eine ganz eigene Bildsprache gaben.
Hinzu kamen die zahlreichen Schattenspiele (von Vlad aufgespießten Gegnern über Draculas sich selbstständig bewegenden Schatten bis zu der Szene, in der seine Bräute das Pferd töten), klare Anspielungen an den deutschen Expressionismus („Nosferatu„), von der Filigranität her aber schon eher bei den Scherenschnitt-Filmen der großen Lotte Reiniger, passend zu der ohnehin ungemein liebevollen und detailreichen Ausstattung der Szenerien, die auf der englischen 4K-Blu ray nun endlich in all ihrer Pracht zur Geltung kommen kann. (Anmerkung: Dieses Review entstand 2023.)
Coppola erzählt die altbekannte Geschichte mit Hilfe von ein paar Ergänzungen (wie z.B. des Prologs) mehr als gotisch-düstere Liebesgeschichte als als Grusel- oder gar Horrorfilm. Sowohl Gewalt als auch Erotik werden immer künstlich überhöht, passen sich geschickt in die märchenhafte Erzählweise ein, der es wohl auch geschuldet ist, dass die meisten Charaktere (abgesehen vom zentralen Liebespaar Dracula und Mina) eher schablonenhaft bleiben.
Gary Oldman gelingt es in der Titelrolle, trotz aller Masken (er darf alle Formen, die der Vampir im Roman annehmen kann, mindestens einmal im Film verkörpern), durch sein feinfühliges und vielseitiges Spiel, den blutsaugenden Grafen in seinem Zwiespalt zwischen lustvoll-animalischem Verführer einerseits und einem durch den Verlust seiner Liebsten gebrochenen, einsamen Mann anderseits als tragische Figur darzustellen.
Und Winona Ryder, in die ich damals schwer verschossen war, darf als Mina zumindest gegen Ende endgültig aus den Korsett der braven, jedoch der Versuchung erlegenen Ehefrau ausbrechen und zeigen, was ihn ihr steckt, wenn Coppola sie als „Final Girl“ der besonderen Art inszeniert.
Untermalt wird das Ganze von der ikonischen Musik des polnischen Komponisten Wojciech Kilar, die zu den kommerziell erfolgreichsten Soundtracks der 1990er Jahre zählen dürfte.
Alles zusammen genommen macht den Film auch dreißig Jahre nach seiner Entstehung zu einem optischen und akustischen Leckerbissen, der nur wenig von seiner Faszination eingebüsst hat. Wer jedoch auf Angst und Schrecken aus ist, muss woanders suchen…

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