Olivers Filmwelten

Aus Leidenschaft zum Film


„The Court Jester“ / „Der Hofnarr“

USA, 1955

Bewertung: 5 von 5.

Der ehemalige Jahrmarktsgaukler Hubert Hawkins hat sich einer Bande von Gesetzlosen angeschlossen, die angeführt vom Schwarzen Fuchs den letzten noch lebenden Thronerben des Königsreichs, ein Baby mit einem seltenen Muttermal auf der Pobacke, vor den Schergen des Thronräubers Roderich versteckt. Doch statt Heldentaten zu vollbringen darf er sich nur um die Belustigung der Truppe sowie die Versorgung des Babys kümmern. Doch als er und die kampferprobte Jungfer Jean die Aufgabe bekommen, das Baby in Sicherheit zu bringen, da das Versteck des Schwarzen Fuches aufgeflogen ist, scheint seine Stunde gekommen, um sich beweisen zu können…
Der 1955 unter der Regie von Melvin Frank und Norman Panama entstandene Film ist eine wunderbare Parodie auf die Mantel- und Degenfilme der 1930er bis 50er Jahre, vor allem auf „Robin Hood – König der Vagabunden“ mit Errol Flynn und „Die drei Musketiere“ mit Gene Kelly, und einer meiner ewigen Lieblings- und Herzensfilme.
Das liegt zum einen natürlich daran, dass er mich von der ersten Sekunde an (ja, schon während des Vorspanns) in einen Zustand absoluter Belustigung versetzt, obwohl ich jeden Gag und jedes Wortspiel schon auswendig kenne. Manchen Momenten fiebere ich regelrecht entgegen, um dann zum wiederholten Male glücklich in schallendes Gelächter auszubrechen.
Zum anderen, und das habe ich erst viel später rückblickend begriffen, habe ich diesen Film wegen seines Helden so sehr in mein Herz geschlossen.
Dieser Hubert Hawkins war nämlich nicht einer jener Helden, in den ich mich als Kind hineinträumen musste (wie eben Robin Hood oder D’Artagnan) (oder Sandokan, aber dazu andermal mehr), weil sie Dinge konnten, die ich nicht konnte, sondern weil ich mich in ihm wieder erkannte. Dieser Mann, der belächelt wurde, weil er eben nicht den typischen Bildern von Männlichkeit entsprach, aber eben dadurch zum Helden wird, und der von der Jungfer Jean gerade wegen seiner Sanftmütigkeit geliebt wird.
Der großartige Danny Kaye spielt die Rolle des Hawkins mit dem ihm eigenen Gefühl für Wort- und Körperkomik, loser Zunge und ebensolchen Gliedmaßen.
Basil Rathbone parodiert als sinistrer Sir Ravenhurst, der Berater des Thronräubers, seine Rolle des Guy of Gisbourne aus „Robin Hood“ mit sichtlichem Vergnügen und Angela Lansbury gibt eine wunderbar widerspenstige Thronräubertochter ab.
Mit Glynis Johns als Jungfer Jean steht Danny Kaye zudem eine starke und selbstbewusste Mitstreiterin zur Seite, die völlig gleichwertig sowohl angeblich typisch männliche wie weibliche Eigenschaften in sich vereint. Sie darf kämpferisch und gefühlvoll sein, mal burschikos in Uniform und mal verführerisch im Kleid auftreten, sie ist klug und gewitzt und weiß sich mit Wort und Tat ihrer Haut zu erwehren – ein vermeintlicher mehrfacher Spagat, den selbst viele heutige Filmheldinnen nicht so mühelos hinbekommen.
Viele Wortspiele des Films (in der deutschen Fassung übrigens kongenial vorgetragen von Georg Thomalla) sind heute geradezu ikonisch, so der berühmte Verwirrreim um den „Becher mit dem Fächer und den Kelch mit dem Elch„. Wer es noch nicht, diese Szene gibt es auf den üblichen Videoplattformen. Und danach wollt Ihr sowieso den ganzen Film schauen, glaubt es mir.



Ein Kommentar zu „„The Court Jester“ / „Der Hofnarr““

  1. […] Der Hofnarr (1955) […]

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