Olivers Filmwelten

Aus Leidenschaft zum Film


„Krambambuli“

Österreich, 1998

Bewertung: 5 von 5.

Georg Walch zieht mit seiner Frau Johanna in ein kleines österreichisches Bergdorf, um dort die freigewordene Stelle als Oberjäger anzutreten. Der alte Oberjäger, der von einem Wilderer, den wegen seiner Kleidung alle nur den „Gelben“ nennen, erschossen wurde, war laut Aussage der alten Wirtin „kein guter Mensch“. Das sei bei ihrem Mann auf jeden Fall anders, versichert Johanna. Wie sehr sie sich mit dieser Einschätzung täuscht, zeigt sich bald darauf, als Georg dem ebenfalls im Wirtshaus anwesenden Wolf Pachler dessen Drahthaarjagdhund Krambambuli für 10 Taler und 12 Flaschen Kirschschnaps abkauft. Pachler hat den Hund nur verkauft, weil er glaubt, dieser sei ihm so treu, dass er ohnehin zu ihm zurückkehren würde, doch Walch kettet den Hund an und versucht in den folgenden Wochen dessen Willen mit Gewalt zu brechen…
Xaver Schwarzenbergers 1998 entstandener Heimatfilm ist die bereits fünfte Adaption der berühmten Erzählung der österreichischen Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach und sicherlich mit Abstand die beste. Felix Mitterer, selbst Autor zahlreicher bedeutender Dramen und Kinderbücher, hat die Geschichte für das Drehbuch um unnötige Handlungsstränge ebenso bereinigt wie um ihre gewisse Rührseligkeit, und hat stattdessen die psychologischen Konflikte zwischen den Personen stärker herausgearbeitet, die vor allem um zwei Themen kreisen.
Zum einen um auf den Prüfstand gestellte Treue, zentral verkörpert durch den Hund Krambambuli, und zum anderen um die Erkenntnis, dass sich ein „guter Mensch“ darin zeigt, wie er sich vermeintlich Schwächeren gegenüber verhält.
Tobias Moretti brilliert in der Rolle des Wilderers Wolf und nutzt ausgiebig die Gelegenheit sich von der Figur des Kommissars aus der Fernsehserie „Kommissar Rex“ freizuspielen, während Gabriel Barylli und Christine Neubauer sich als Försterehepaar gegenseitig hochspielen.
Schwarzenberger, der auch für die hervorragende Kameraarbeit zuständig war, ist mit „Krambambuli“ ein atmosphärisch dichter und intelligenter, moderner Heimatfilm gelungen, der eindrucksvoll beweist, dass selbst in diesem Genre große Filmkunst möglich ist.
Leider ist der Film bis heute nur auf DVD erhältlich, ein Upgrade auf Blu-ray hätte er jedoch mehr als verdient.



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