USA, Frankreich, Großbritannien, Griechenland, 2024
Ein verwahrloster, nackter Mann wird an die Küste einer griechischen Insel angespült. Der Schweinehirte, der ihn findet und bei sich aufnimmt, weiß ebenso wenig wer er ist, wie dieser Mann ahnt, wo er sich befindet.
So hat das Schicksal oder der Zufall doch Odysseus, der einst König dieser Insel war, bevor er in den Krieg gegen Troja zog, wieder nach Hause geführt. Doch die Rückkehr ist nicht so triumphal wie dereinst erhofft…
Uberto Pasolinis 2024 erstandener Film „The Return„, der aber erst Ende letzten Jahres in die deutschen Kinos kam (wo ich ihn leider komplett verpasst habe), stand bei Erscheinen völlig zu Unrecht im Schatten von Christoper Nolans „The Odyssey„, taucht aber jetzt im Nachgang in zahlreichen Empfehlungslisten zum Thema „Verfilmungen aus dem Themenbereich um Homers Odyssee“ auf, oft zusammen mit Michael Cacoyannis‘ „Iphigenia“ von 1977, der bereits ganz oben auf meinem Next-to-Watch-Stapel liegt.
Pasolini erzählt nur das Ende der Odyssee, die „Rückkehr nach Ithaka„, und die vorherigen Geschehnisse, werden, wenn überhaupt, nur am Rande thematisiert. Im Mittelpunkt stehen dabei Odysseus, Penelope und ihr Sohn Telemachos und ihre langsame Wiederannäherung zueinander.
Getragen wird der Film dabei von den beeindruckenden Darstellungsleistungen von Ralph Fiennes als Odysseus und Juliette Binoche als Penelope. Und auch Charlie Plummer gelingt es, sich zwischen den beiden Stars zu behaupten. So gut ich Matt Damon, Anne Hathaway und auch Tom Holland in Nolans Film fand, das hier ist nochmal eine ganz andere Liga, weswegen ich auch ein bisschen froh bin, dass ich sie in der umgekehrten Reihenfolge gesehen habe.
Wobei es eigentlich unfair ist, die beiden Filme zu vergleichen, sind sie doch bereits im Ansatz völlig unterschiedlich. Wo Nolan auf große Bilder und Effekte setzt, liegt die Kraft von Pasolinis Film gerade in seiner Reduktion, in seiner Zurückhaltung. Allein die Gewaltdarstellung ist hier weitaus expliziter, was im ersten Moment erstaunen mag.
Die Kamera von Marius Panduru fängt die karge Landschaft in zwar stilsicheren aber nie opulenten Bildern ein, konzentriert sich jedoch zumeist auf die Gesichter der Figuren, in deren Mimik so viel abzulesen ist. Was Odysseus widerfahren ist, muss der Film nicht erzählen, und zwar nicht nur, weil wir es ohnehin schon wissen, sondern weil es Ralph Fiennes ins Gesicht geschrieben steht und seine Augen mehr darüber aussagen als Worte oder der Film es je könnten.
Mit „Rückkehr nach Ithaka“ ist Pasolini ein wunderbares Beispiel dafür gelungen, dass verschiedene Adaptionen ein und derselben literarischen Quelle parallel existieren können und sollten, und wie viel Sinn es tatsächlich macht, sich bei einer Vorlage, die für eine vollständige oder „angemessene“ (was auch immer das heißen mag) Übertragung in das Medium Film ohnehin viel, viel zu lang und vielschichtig ist, auf wenige Handlungselemente und Themen zu konzentrieren.

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