Kanada, 2000
„Ginger Snaps“ zeigt bereits vor dem Vorspann mehr als deutlich, dass er keine Gefangenen macht und das gilt, wie wir im Laufe des Films herausfinden werden, nicht nur für die Gewaltdarstellung, die zwar überaus blutig, aber nie selbstzweckhaft ist. Wir lernen die morbid veranlagten Schwestern Ginger und Brigitte (genannt „B“) kennen, zu deren Zeitvertreib unter anderem die Nachstellung von Todesfällen gehört, wovon wir im Vorspann etliche als Momentaufnahmen präsentiert kriegen.
Die beiden Schwestern sind bereits 15 und 16, zeigen aber noch kaum Anzeichen der Pubertät, was sich schlagartig ändert, als die ältere von beiden von einem Werwolf angefallen und verletzt wird.
Die Idee, die körperlichen und psychologischen Veränderungen der Pubertät mit der Verwandlung in einen Werwolf gleichzusetzen, war keineswegs neu, mir sind jedoch nur Bespiele mit männlichen Jugendlichen bekannt: „I Was a Teenage Werewolf“ von 1957 mit dem jungen Michael Landon, den Stephen King auch in „ES“ zitiert, und „Teen Wolf“ von 1985 mit Michael J. Fox, wobei letzterer aber eine Komödie und kein Horrorfilm war.
„Ginger Snaps„, nach einem Drehbuch von Karen Walton und Regisseur John Fawcett, die später für die großartige Serie „Orphan Black“ wieder zusammenarbeiten sollten, hingegen nutzt das Werwolfmotiv für eine erstaunlich direkte Auseinandersetzung mit den Sorgen und Ängsten heranwachsender Mädchen. In einem US-amerikanischen Film („Ginger Snaps“ entstand in Kanada) wäre wahrscheinlich niemals so offen über die erste Periode und andere weibliche Pubertätsprobleme gesprochen worden wie hier.
Mit Ginger und B. präsentiert der Film darüber hinaus zwei wunderbar ausgearbeitete ambivalente Charaktere, die von Katharine Isabelle und Emily Perkins (die im 1990er „ES“ die junge Beverly Marsh gespielt hatte) mit einer gelungenen Mischung aus emotionaler Glaubwürdigkeit und einer ordentlichen Prise Camp zum Leben erweckt werden, wie der Film bei aller Ernsthaftigkeit auch immer wieder mit perfekt eingesprenkeltem Humor zu überraschen weiß.
Diese Mischung macht zusammen mit der knackigen Inszenierung und den hervorragenden Spezialeffekten den ersten „Ginger Snaps“ in meinen Augen nicht nur zu einem der besten Werwolf-Filme überhaupt, sondern auch zu einem der intelligentesten Horrorfilme der frühen 2000er.
Vier Jahre später folgten zwei direkt hintereinander gedrehte Nachfolger, die unmittelbare Fortsetzung „Ginger Snaps 2 – Entfesselt“ und das märchenhafte Prequel „Ginger Snaps Back: The Beginning„, die auch beide in mehr als sehr guter Erinnerung habe.

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