USA, 2026
Das folgende Review enthält Handlungsspoiler.
Hinweis: Dieses Review wurde von mir nach seiner Veröffentlichung editiert, da ich in anschließend geführten Diskussionen gemerkt habe, dass ich meine Aussagen an ein, zwei Stellen revidieren, an anderen schärfen muss, um meine Standpunkte besser herauszuarbeiten. Ich habe dabei auch von Diskussionspartner*innen eingebrachte Punkte aufgegriffen und ergänzt. An meiner allgemeinen Kritik am Film ändert das nichts, sondern hat sie letztendlich stellenweise sogar noch verstärkt.
Der schüchterne und empfindsame Bear ist schon ewig in seine ehemalige Schulkameradin und jetzige Arbeitskollegin Nikki verliebt, bringt es aber nicht fertig, ihr seine Gefühle zu gestehen. Stattdessen setzt er eines Abends einen magischen Wunschzweig namens „One Wish Willow“ ein, den er in einem Esoterikshop gekauft hat, ohne jedoch wirklich daran zu glauben, dass dieser ihm seinen Wunsch erfüllt, Nikki möge sich in ihn verlieben und ihn mehr lieben als alles andere auf der Welt. Doch, oh Wunder, genau das passiert, allerdings keineswegs so wie er sich das vorgestellt hat…
Der von Michael Johnston gespielte Bear ist dabei einer jener Männer, die sich selbst für den Good Guy halten, dem eine Frau (in Anspielung auf die im Internet viral gegangene Frage „bear or man„) auch bedenkenlos im Wald begegnen könnte, der dann aber eben doch, als sich die Gelegenheit bietet, sein Begehren über die Autonomie der Frau stellt und die Tatsache, dass der Wunsch tatsächlich funktioniert hat, ausnutzt.
Dass egoistische Wünsche jene Person, die sie ausgesprochen hat, durch allzu wörtliche Erfüllung bestrafen, kennen wir schon aus W.W. Jacobs‘ Erzählung „Die Affenpfote“ (u.a. 1985 als eine Folge der deutschen Gruselserie „Gespenstergeschichten“ verfilmt), und der Dschinn aus Aladins berühmter Wunderlampe in den „Märchen aus 1001 Nacht“ hat Liebeszauber bei den zu gewährenden Wünschen wohlweißlich direkt ausgeschlossen.
Auch Bear wird im Laufe des Films durch die „Übererfüllung“ seines Wunsches bestraft.
Mein Problem damit ist die Tatsache, dass die arme Inde Navarrette als Nikki dafür all jene misogynen Vorstellungen davon, was Männer an ihren Partnerinnen nervig oder lästig finden könnten, in übersteigerter Form durchspielen muss: emotionales und körperliches Klammern, Eifersucht, Stimmungsschwankungen, Bemuttern und angebliches kindisches Verhalten, inkl. kindlich-reduzierter Artikulation.
Ich habe vor allem aus der Rassismus-Kritik von Betroffenen gelernt, dass Systemkritik, die zur Erreichung ihres Zweckes Vorurteile des eigentlich zu kritisierenden Systems reproduziert, oft aus einer privilegierten Position heraus entsteht und den Schaden, den sie durch die Reproduktion bei Betroffenen anrichten kann, nicht erkennt.
Und genau das macht Regisseur und Drehbuchautor Curry Barker und tappt dabei ein Stück weit in seine eigene Bear-Falle.
Er will die männliche Missachtung von Consent (nichts anderes ist das Ausnutzen des Liebeszaubers) kritisieren, reproduziert dafür aber zugleich frauenfeindliche Klischees in einem nicht notwendigen Maße.
Hätte er sich auf die Eifersucht und das emotionale Klammern konzentriert, wäre dies vollkommen ausreichend gewesen und hätte zudem ganz wunderbar das männliche Besitz- und Anspruchsdenken gespiegelt.
Statt einer sozusagen minimal-invasiven Herangehensweise, die die Belange des eigentlichen Opfers, nämlich Nikki, respektiert und in den Vordergrund stellt, feuert er, gerne auch unterstützt durch zusätzliche Lautstärke und entsprechende Musik, eine Nummernrevue angeblich nervender weiblicher Verhaltensweisen ab, die Nikkis Leiden übertönt und bei der Bear als eigentliches Opfer erscheint und ich die Bros im Kino schon einander zuflüstern höre: „Jo ey, so ist meine manchmal auch…„.
Seit ich damals in „Casino Royale“ bei der Szene, in der James Bond seinen Aston Martin schrottet, um der auf der Fahrbahn liegenden Vesper Lynd auszuweichen, den Typ neben mir sagen hörte „Das schöne Auto! Ich hätte die Alte überfahren!“ habe ich diesbezüglich den Glauben an das männliche Kinopublikum verloren.
Was Reaktionen auf den vorliegenden Film auch durchaus bestätigen, scheint es doch so zu sein, dass viele männliche Zuschauer nicht erkennen, dass Nikki das tatsächliche Opfer im Film ist.
Er mag somit zwar ein Test zum Entlarven vermeintlicher „Good Guys“ oder eben Bears sein, ein Erkennen und Nachdenken über das eigene Verhalten erreicht er aber bei diesen eben nicht.
Und Kritik, die nur jene als solche wahrnehmen, die sie ohnehin schon teilen, verfehlt für mein Dafürhalten eine ihrer primären Aufgaben, nämlich das Augen-Öffnen für die angeklagten Missstände und lagert diese schwierige emotionale Arbeit dadurch weiterhin an jene aus, die sie eigentlich unterstützen will.
Wie eine genretechnische Auseinandersetzung mit dem Thema „erzwungene Liebe“ mit einer deutlich gelungeneren weiblichen Perspektive aussehen kann, hat übrigens letztes Jahr Drew Hancocks „Companion – Die perfekte Begleitung“ letztes Jahr eindrucksvoll bewiesen.

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