USA, 1947
Jules Dassin hat mit „The Night and the City“ einen meiner absoluten Lieblings-Film Noirs geschaffen.
Arrow Films hat in seiner wundervollen Box-Edition „Tales from the Urban Jungle“ nun (dieser Beitrag stammt aus 2021) die beiden frühen Dassin-Klassiker „Brute Force“ und „The Naked City“ (in den USA von Criterion veröffentlicht) in aufwändigen 4K-Restaurationen auch in Europa verfügbar gemacht.
„Brute Force“, ein Film könnte kaum einen passenderen Titel haben.
Keine Ahnung was man sich bei dem nichtssagenden deutschen Titel gedacht hat, ist und war man doch sonst eher oft bemüht die Filmtitel hierzulande noch reißerischer zu gestalten. So heißt „The Night and the City“ hier zum Beispiel „Die Ratte von Soho“.
Und dann kommt mal ein Film, der seinen hart klingenden Titel völlig zu Recht trägt, und man benennt ihn lieber nach der Zellennummer, in der die Hauptfiguren eingesperrt sind.
Genau, bei „Brute Force“ handelt es sich um einen Gefängnisfilm mit Burt Lancaster in der Hauptrolle, der 15 Jahre später in John Frankenheimers „Der Gefangene von Alcatraz“ nochmal einen unter unmenschlichen Haftbedingungen leidenden Insassen spielen sollte. Allerdings könnten die beiden Filme kaum unterschiedlicher sein.
Wo Frankenheimers Film von Hoffnung geprägt ist und auch die moralische Besserung seiner Titelfigur aufzeigt, ist Dassins „Brute Force“ ein düsteres, fast nihilistisches Werk, das genau die entgegengesetzte Entwicklung beschreibt.
Die Insassen des Westmore-Gefängnisses leiden unter der brutalen Herrschaft des Oberaufsehers Captain Munsey, in dessen Rolle Hume Cronyn („Cleopatra“, „Cocoon“) durch seine beeindruckende Darstellung eines der großen sadistischen Monster der Filmgeschichte geschaffen hat.
„Kindness is weakness and weakness creates followers not leaders.“
Dieser Ausspruch Munsey fasst seine sozial-darwinistische Sicht- und Verhaltensweise perfekt zusammen, die die Gefängnisinsassen in die Erkenntnis treibt, dass sie seinem menschenverachtenden Regime nur mit Gegengewalt entkommen können.
Insbesondere das Finale, das auch heute noch nichts von seiner Intensität eingebüßt hat, brach alle damals geltenden Grenzen der Gewaltdarstellung und am Streit darüber zerbrach die Freundschaft zwischen dem Regisseur und dem Produzenten Mark Hellinger.

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