USA, 2020
Fortsetzungen von erfolgreichen Horrorfilmen sind mittlerweile leider nahezu unvermeidlich.
Umso sympatischer fand ich die Einstellung des Regisseurs John Krasinski zu seinem Überraschungserfolg „A Quiet Place“ keine Fortsetzung drehen zu wollen, solange er nicht wirklich eine gute neue Idee dafür hätte.
„A Quiet Place – Part 2“ gelingt denn auch das Kunststück eine direkte Fortsetzung der Handlung zu sein, ohne wie eine billige Kopie des Originals zu wirken.
Wer den ersten Teil nicht kennt, sollte dies vor dem Anschauen dieses Films unbedingt nachholen.
Krasinski verschiebt den Fokus auf die gehörlose Tochter der Familie, Regan, und macht sie nicht nur zur zentralen Figur sondern zur Heldin der Geschichte. Interessant dabei ist, dass Regan, um zur Heldin zu werden, ihre Behinderung nicht überwinden muss, sondern dass sie gerade wegen ihrer Behinderung und ihrer schnellen Auffassungsgabe zur Retterin wird.
Es gibt ein, zwei längere, sehr effektvolle Szenen, in denen man als Zuschauer durch das völlige Fehlen von Geräuschen in Regans Wahrnehmungswelt hineingezogen wird und sich dann plötzlich viel hilfloser fühlt als sie.
Cilian Murphy, unter seinem wilden Vollbart nur dank der markanten Augen zu erkennen, ist für den zweiten Teil neu zur Schauspielerriege hinzugestoßen, überläßt aber der auch im echten Leben gehörlosen Millicent Simmonds in den gemeinsamen Szenen die Hauptrolle, die diese mit einer Mischung aus Ernsthaftigkeit und Natürlichkeit ausfüllt, die allen Kritikern, die gerne behaupten, man solle Rollen doch nach Talent besetzen und nicht danach, ob jemand tatsächlich gehörlos oder neurodivergent ect. ist, eindrucksvoll zeigt, dass das eine das andere eben nicht ausschließt.
Die britische Kamerafrau Polly Morgan beweist nach einigen Independentfilmen und der Fernsehserie „Legion“ in ihrem erst zweiten Film für ein großes Studio (nach „Lucy in the Sky„) warum sie als eines der größten aufstrebenden Talente der Szene gilt. Nicht umsonst ist die erste Frau, die sowohl in der British als auch American Society of Cinematographers akkreditiertes Mitglied ist, (in der ASC zudem auch das jüngste Mitglied).

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