Italien, 1957
Eigentlich gilt ja „La maschera del demonio“ („Die Stunde, wenn Dracula kommt„) von 1960 als das Regiedebüt des großen italienischen Genrespezialisten Mario Bava, aber bereits vorher konnte er entsprechende Erfahrungen sammeln, nämlich bei „I Vampiri“ und „Caltiki, il mostro immortale„.
Während letzterer, als ich dieses Review im September 2022 geschrieben habe, noch seiner Veröffentlichung in Deutschland harrte (mittlerweile wurde er von Wicked-Vision herausgebracht), ist „Der Vampir von Notre Dame“ oder „Lust of the Vampire“ wie er u.a. in den USA hieß, 2022 als Numero 8 in der großartigen Mario-Bava-Collection von Plaion Pictures erschienen.
„I Vampiri“ ist, abgesehen von einem Stumm-Kurzfilm aus den frühen 1920ern, der erste Horrorfilm des italienischen Kinos und sollte wegweisend sein für die „Italian Gothic“-Welle der 1960er.
Regie führte eigentlich Ricardo Freda, der zuvor einige Historienfilme gedreht hatte, bei diesem Projekt aber mit dem engen Zeitplan und geringen Budget haderte und das Handtuch warf. Und so baten die Produzenten den damaligen Kameramann Mario Bava den Film fertigzustellen, dem (so die Legende) das Kunststück gelang, den Film in den verbleibenden zwei Tagen zu einem zufriedenstellenden Abschluss zu bringen.
Auch während seiner späteren Regiekarriere zeichnete sich Bava dadurch aus, aus wenig Zeit und meist noch weniger Geld erstaunlich aussehende Genrefilme jeglicher Art zu zaubern.
Und so ist es vor allem auch seine optische Ausgestaltung der eigentlich simplen Geschichte, die neben der filmhistorischen Bedeutung „I Vampiri“ heute noch sehenswert macht.
Was als Kriminalfilm um verschwundene junge Frauen in Paris beginnt, wird mehr und mehr zu einer gotischen Schauergeschichte um die Angst vor dem Altern und dem Tod.
Wer hier angesichts des Titels spitze Eckzähne erwartet, wird enttäuscht sein, denn einen Vampir im Sinne des Grafen Dracula, den die Hammer Sudios nur wenige Jahre später aus seinem filmischen Schlummer wiedererwecken sollten, gibt es hier nicht.
Dafür aber ein altes Schloss voller wunderbar absonderlicher Deko, die von Bava mit seinem ausgezeichneten Blick für Bildgestaltung in Szene gesetzt wird.

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