Olivers Filmwelten

Aus Leidenschaft zum Film


„She Is Conann“

Frankreich, 2023

Bewertung: 5 von 5.

Den französischen Filmemacher Bertrand Mandico hatte ich durch sein Langfilmdebüt „The Wild Boys“ entdeckt, das in Deutschland seinerzeit vom Label Bildstörung veröffentlicht wurde.
2012 schuf er zusammen mit der isländischen Autorenfilmerin Katrín Ólafsdóttir das „Incoherence Manifesto“, in dem es heißt:

Inkohärent zu sein, heißt Vertrauen in das Kino zu haben, es heißt eine romantische Herangehensweise zu haben, unformatiert, frei, gestört und traumgleich, cinegen, eine epische Erzählweise.

In „She is Conann“ wendet er diese Herangehensweise auf die Geschichte von „Conan, der Barbar“ an, jedoch ohne dass dabei eine Neuverfilmung des Stoffes herauskommen würde. Allein die Ausgangssituation des Überfalls auf das Dorf und das Schlussbild mit Conan auf dem Thron bleiben in seiner Gender-Bender-Version erhalten.
Dazwischen erleben wir die Lebensgeschichte von Conann als inkohärente Reise durch die Zeitalter, als aufeinanderfolgende Generationen von Frauen (repräsentiert durch die verschiedenen Lebensalter Conanns), die einander lieben und umarmen und schließlich doch töten, um selbst leben zu können. Begleitet und dokumentiert wird diese Reise von einem Hund-Mensch-Mischwesen namens Rainer (gespielt von der großen Elina Löwensohn) mit Lederjacke und Analogkamera, eine Hommage an Rainer Werner Fassbinder, wie Mandico überhaupt in seinem Film den großen Unangepassten des europäischen Kinos seinen Tribut zollt, von Liliana Cavanis „Der Nachtportier“ bis zu Peter Greenaways „Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber„.
Faschismus und die Hörigkeit der Medien und Künste gegenüber der Macht und des Geldes, das sind nur zwei Beispiele der vielen Themen, derer sich der französische Regisseur und Drehbuchautor in diesem surrealen Wunderwerk von einem Film annimmt. Wer einen Fantasy-Film erwartet, wird enttäuscht und verwirrt sein, doch wer sich auf Mandicos Ansatz der Inkohärenz einlässt, wird mit Bildern und Ideen belohnt, wie eins sie nicht jeden Tag auf der Leinwand oder dem Bildschirm sieht.
Leider ist „She is Conann“ bisher in Deutschland nicht erschienen (wohl abgesehen von einem Screening beim Fantasy Film Festival).
Die einzige Möglichkeit, ihn außerhalb Frankreichs mit englischen Untertiteln zu sehen, ist eine amerikanische Blu-ray, die neben dem Hauptfilm auch noch die Kurzfilme „Rainer – A Vicious Dog in Skull Valley“ und „We Barbarians“ enthält, die fast wie Videokommentare zu „She is Conann“ wirken und hier und da etwas Licht ins Dunkel bringen. Da die Blu-ray Code A ist, läuft sie auf normalen europäischen Playern jedoch leider nicht.



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