Olivers Filmwelten

Aus Leidenschaft zum Film


„The Brood“ / „Die Brut“

Kanada, 1979

Bewertung: 5 von 5.

Frank Carveth und seine Frau Nola teilen sich seit der Scheidung das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Candy. Nola befindet sich zeitweise in der Klinik des Psychotherapeuten Hal Raglan, der eine Behandlungsmethode entwickelt hat, bei der sich psychische Störungen in Form von körperlichen Symptomen manifestieren und so angeblich einfacher heilen lassen.
David Cronenbergs früher Body-Horrorfilm lebt neben den eindrucksvollen Effekten und den bedrückend trostlosen Bildern des Kameramannes Mark Irwin, vor allem vom eindringlichen Schauspiel der Hauptdarsteller*innen, allen voran die jüngst leider verstorbene Samantha Eggar als Nola und der große Oliver Reed als Dr. Raglan.
Art Hindles Darstellung als Frank wirkt im Vergleich zu beiden vielleicht etwas sehr zurückgenommen und weniger charismatisch, passt aber ganz gut zu seiner Rolle als Identifikationsfigur.
Vereinzelte Kritiken, die dem Film die Dämonisierung weiblicher Wut vorwerfen und als Misogynie auslegen, greifen meiner Meinung nach deutlich zu kurz. Eggars Nola ist eine zutiefst tragische Figur, was bei aller vermeintlichen „Boshaftigkeit“ durch ihre akzentuierte Darstellung immer wieder durchschimmert.
Cronenberg selbst bezeichnet „The Brood“ als seinen Gegenentwurf zum damals erfolgreichen und mit Preisen überhäuften Scheidungsdrama „Kramer vs. Kramer„, in dem sich der Konflikt zwischen den Eltern zum Schluss in Wohlgefallen auflöst. Sein Film hingegen erzählt, untermalt vom Soundtrack von Howard Shore, der hier seine erste, aber bereits beeindruckende Arbeit abgeliefert hat, von Kindesmisshandlung und der Weitergabe von Traumata und von Scheidung als aussichtsloser Kampf, in dem niemand Gewinner ist, am aller wenigsten die Kinder.
Plaion Pictures hat den ehemals indizierten Film Anfang des Jahres als 4K-Disc im Mediabook veröffentlicht und ihn so in seiner bestmöglichen Form zur Wiederentdeckung freigegeben.



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