Olivers Filmwelten

Aus Leidenschaft zum Film


„Soylent Green“ / „… Jahr 2022 … die überleben wollen“

USA, 1973

Bewertung: 5 von 5.

Soylent Green“ gehört neben „Planet der Affen“ und „Logan’s Run – Flucht ins 23. Jahrhundert“ zu den bekanntesten und wichtigsten dystopischen Science-Fiction-Filmen der später 1960er und früher 1970er Jahre, die ich dank des öffentlich-rechtlichen Fernsehens irgendwann in den 80ern in viel zu jungen Jahren gesehen habe. Auch wenn ich damals nicht alles verstanden habe, so haben mich diese Filme doch sehr geprägt.
Im Jahr 2022, damals die ein halbes Jahrhundert entfernte Zukunft, heute auch schon wieder vier Jahre her, leben in New York 40 Mio. Menschen. Die meisten von ihnen unter katastrophalen Bedingungen, denn echte Lebensmittel und unbegrenztes Wasser können sich nur wenige Reiche leisten, der Rest lebt in Sammelunterkünften und ernährt sich von synthetisch hergestellter Nahrung namens „Soylent„, angeblich hergestellt aus Plankton. Insbesondere die neueste Variante „Soylent Green“ erfreut sich großer Beliebtheit.
Der Polizist Robert Thorn, der sich mit dem alten Sol Roth, einem ehemaligen Professor, der sich noch an die Welt vor dem klimatischen und wirtschaftlichen Zusammenbruch erinnern kann und ihm bei seinen Recherchen hilft, ein Appartement teilt, soll den Mord an dem hochrangigen William R. Simonson aufklären und kommt dabei einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur, dessen Auflösung in die Popkultur eingegangen ist (und die in der deutschen Fassung sogar noch schockierender klingt als im Original).
Richard Fleischers Film basiert auf der Grundidee des Romans „New York 1999“ von Harry Harrison, radikalisiert diesen aber in zahlreichen Aspekten.
So ist der von Charlton Heston dargestellte Thorn kein positiver Held, sondern eine überaus ambivalente Figur. Als Polizist ist er Teil des Systems, zudem nutzt er seine Position aus, um sich immer wieder Vorteile zu verschaffen, lässt von Tatorten Lebensmittel mitgehen und ähnliches.
Und neben der ökologischen Warnung widmet der Film einem Aspekt der dystopischen Gesellschaft erstaunlich viel Zeit, nämlich dem der Frau als Ware und Vergnügungsmittel der Reichen. Thorn lernt bei seinen Ermittlungen Shirl (Leigh Taylor-Young) kennen, die im Appartement des Ermordeten als Sexskalvin zum „Inventar“ gehört, im Original als „furniture“ bezeichnet, was die zutiefst misogyne Entmenschlichung noch etwas deutlicher macht.
Thorn setzt sich zwar in einer Szene für Shirl und ihre Kolleginnen ein, die vom Verwalter des Appartementkomplexes geschlagen werden, stellt jedoch das System dahinter selbst nie wirklich in Frage (und bedient sich dessen zu Beginn auch selbst).
Dem gegenüber stellt der Film das „Supreme Exchange„, die einstige intellektuelle Elite, bestehend aus ehemaligen Professor*innen und Richter*innen, geleitet von einer Frau (Celia Lovski in ihrer letzten Rolle) und mit recht hohem Frauenanteil, die versuchen, Wissen, das verloren zu gehen droht (oder unterdrückt werden soll) zu bewahren.
Auch für den großen Edward G. Robinson sollte die Darstellung des Sol Roth seine letzte Rolle sein. Er starb kurz nach Fertigstellung des Films.
Und auch wenn seine Figur weit weniger Screen Time hat als Charlton Hestons Thorn, so ist er doch der moralische und emotionale Ankerpunkt des Films, eine mehr als würdige letzte Rolle.



Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Olivers Filmwelten

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen