Olivers Filmwelten

Aus Leidenschaft zum Film


„Nordsee ist Mordsee“

Deutschland, 1976

Bewertung: 4.5 von 5.

Der 14-jährige Uwe ist der Anführer einer Jugendbande, die sich in einer Hamburger Hochhaussiedlung die Zeit damit vertreibt, Automaten zu knacken und Mitschüler zu schikanieren, vor allem einen asiatisch-stämmigen Jungen namens Dschingis. An ihm lässt Uwe seinen Frust darüber aus, dass er zu Hause keine Liebe und Anerkennung erfährt, sondern von seinem alkoholabhängigen Vater regelmäßig verprügelt wird. Dschingis hingegen wird von seiner alleinerziehenden, übervorsorglichen Mutter ständig bevormundet.
Als sich die Bande von Uwe abwendet, weil er das Geld aus einem Automatenbruch nicht teilt, und zudem die Polizei hinter ihm her ist, beschließt er von zu Hause abzuhauen. Dabei bekommt er unerwartete Hilfe von Dschingis…
Der deutsche Regisseur und Drehbuchautor Hark Bohm inszenierte seinen Jugendfilm „Nordsee ist Mordsee“ 1976 als halbes Familienprojekt; die beiden jugendlichen Hauptrollen spielten seine Adoptivsöhne Uwe Engelmann, der später auch seinen Nachnamen Bohm annahm, und Dschingis Bowakow, dessen Mutter seine leibliche Mutter Katja, und als Uwes Vater sehen wir Harks jüngeren Bruder Marquard Bohm („Deadlock„, „Tschetan, der Indianerjunge„).
Die Bilder von Kameramann Wolfgang Treu unterstreichen die gelungene Balance zwischen um Authentizität bemühtem Sozialdrama und poetisch verklärter Coming-of-Age-Story ebenso wie die Musik von Udo Lindenberg.
Für mich als Kind der 70er ist der Film natürlich auch eine Reise zurück in die Zeit der mit Sicherheit unter Drogeneinfluss entstandenen Tapetenmuster und Kindheitsabenteuer und Träumen von Freiheit, auch wenn ich damals nicht in einer Großstadt sondern auf dem Dorf gelebt habe.
Die deutsche DVD-Ausgabe ist lange vergriffen und nur noch zu Mondpreisen zu finden, aber Severin Films haben jüngst die aufwändig restaurierte Fassung auf Blu-ray in den USA veröffentlicht.
In Deutschland ist von einer solchen Veröffentlichung bisher nichts bekannt, aber noch bis zum 18.02.2026 ist der Film in der restaurierten Version in der ARD-Mediathek zu finden.



Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Olivers Filmwelten

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen