Olivers Filmwelten

Aus Leidenschaft zum Film


„Mephisto“

Deutschland, Ungarn, 1981

Bewertung: 5 von 5.

Zwischen 1981 und 1988 drehte der ungarische Meisterregisseur István Szabó drei Filme mit dem österreichischen Theater- und Filmschauspieler Klaus Maria Brandauer, die das britische Label Second Run nun erstmalig auf Blu-ray mit ungarischem und deutschem Ton sowie optionalen englischen Untertiteln veröffentlicht hat. Den Anfang bildete 1981 „Mephisto“, lose basierend auf Klaus Manns gleichnamigen Roman, den dieser 1936 im Exil verfasste.
Der Film machte Brandauer international bekannt und brachte Szabó den Oscar für den besten ausländischen Film ein.
In Manns Roman war die Hauptfigur Hendrik Höfgen noch so deutlich an den deutschen Theaterschauspieler und späteren Intendanten des Berliner Staatstheaters Gustav Gründgens angelehnt, dass sich nach einer Klage von dessen Erben und entsprechenden Gerichtsurteilen (die Sache ging bis zum Bundesverfassungsgericht) erst 1980 wieder ein westdeutscher Verlag an eine offizielle Veröffentlichung wagte.
Szabó schwächte die Bezüge etwas ab und ließ auch andere Elemente des Romans außen vor, so z.B. die masochistische Beziehung Höfgens zu der Schwarzen Juliette Martens (Karin Boyd), aus der im Film eine eine einfache Liebesaffäre wird. Auf die Darstellung von Gründgens Homosexualität hatte bereits Klaus Mann bewusst verzichtet und der Masochismus Höfgens ist bei ihm auch weitaus mehr als nur ein beliebiger Ersatz dafür, sondern vielmehr ein wichtiges Charakterisierungsmerkmal.
Brandauer spielt den Schauspieler Höfgen, der von einem Theater in Hamburg, wo er noch von einem bolschewistisch geprägten proletarischen Theater träumte, an das Berliner Staatstheater kommt, wo er unter den Nationalsozialisten zum Intendanten aufsteigt, mit einer Ausdruckskraft und Intensität, die alle um ihn herum fast zu Statisten werden lässt. Allein der DDR-Schauspieler Rolf Hoppe vermag ihm in der Rolle des preußischen Ministerpräsidenten (tatsächlich einer der vielen Titel von Reichsmarshall Hermann Göring, dessen Name aber weder im Buch noch im Film jemals fällt) darstellerisch gleichzuziehen.
Szabós Drama erzählt uns anhand dieser genau beobachteten und wunderbar gespielten Studie über einen Opportunisten, der für seine Karriere Ideale und Menschen verrät, viel die Vereinnahmung von Kunst und Künstlern durch die Nationalsozialisten und zeigt uns in aller Deutlichkeit, dass Kunst (trotz aller Beteuerungsversuche ihrer Schöpfer) eben nie unpolitisch sein kann und dass der Versuch unpolitisch zu sein, eben nur der Politik der Faschisten dient. Höfgen, dessen beste Rolle auf der Bühne die des Verführers Mephisto in Goethes Faust ist, wird abseits der Bühne selbst zum Verführten.



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